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Inzwischen bin ich ja in einem Alter, das eine gewisse… Fruchtbarkeit impliziert und auch wenn es bei Familie Sternenmond nichts akutes zu vermelden gibt und vermutlich auch in den nächsten Monaten nicht, habe ich es geschafft mir trotz allem ein paar soziale Kontakte zu bewahren. Und unter diesen häufen sich nun langsam aber sicher die oben genannten… die Schwangeren.

Neben allen Fragen, die man sonst so gefragt wird – und die gehen von vernünftig („Wieviel muss das Baby denn nach der Geburt trinken?“) bis… kreativ-abstrus („Meine Schwiegermutter hat gesagt ein Schlafplatz am Fenster ist schlecht für die innere Balance. Stimmt das?“) – gibt es eine, die mit regelmäßiger Zuverlässigkeit jedes Mal gefragt wird.

„Du bist doch vom Fach… Wo würdest du entbinden?“

Ja. Gute Frage. Generell gibt es ja heutzutage im Grunde 3 Optionen. Krankenhaus, Geburtshaus, Hausgeburt. In Deutschland wird zu ca. 98% im Krankenhaus entbunden, der Rest entfällt auf die außerklinischen Varianten. Vor- und Nachteile scheinen ja relativ offensichtlich. Die Klinik mit ihren Möglichkeiten der Maximalversorgung für Mutter und Kind, dem Sicherheitsfaktor, dem beruhigenden Wissen, dass innerhalb kürzester Zeit alles gemacht werden könnte konkuriert gegen die Ruhe zuhause, der gemütlichen Atmosphäre, dem Gefühl der selbstbestimmten Geburt auf der anderen Seite.

In den letzten 2 Jahren gab es zwei große Studien, einmal aus Kanada, einmal aus den Niederlanden. Beide kamen zu dem Schluss, dass eine außerklinische Geburt bei den Nicht-Risikoschwangeren, die überhaupt für eine außerklinische Geburt infrage kommen, ähnlich sicher ist wie die in einer Klinik. Rein objektiv gesehen spricht also nichts gegen die Entscheidung für Geburtshaus oder Hausgeburt. Ich bin natürlich kein Gynäkologe, aber die Zahlen wirken ja per se durchaus überzeugend.

Jetzt folgt wie immer meine persönliche Meinung, schließlich sind wir ja auf einem Blog und Studien lesen könnt ihr vermutlich alle selbst 😉 .

Ich kann die Gedanken hinter einer Entscheidung für ein Geburtshaus durchaus nachvollziehen (eine Hausgeburt erscheint mir grundlegend seltsam, ich mag mein Kind nicht in meinem Schlafzimmer entbinden, wo bei geöffnetem Fenster die ganze Straße mitbekommt, was da gerade geht, aber das ist natürlich eine reine Geschmacksfrage). Ich mag die Vorstellung einem natürlichen Prozess den Raum einzuräumen, der ihm zusteht, der aus einer Schwangeren eine Frau und keine Patientin macht und ich glaube auch absolut daran, dass in Ruhe und mit der Möglichkeit den Dingen ihren Lauf zu lassen, fernab von der Hektik einer Klinik, eine Geburt zu einem wunderschönen Ereignis werden kann… selbstbestimmt und mit 1:1-Betreuung durch die Hebamme des Vertrauens.

Aber ich bin kein Gynäkologe, ich arbeite auf einer neonatologischen Intensivstation. Und in dieser Hinsicht bin ich ein gebranntes Kind. Mir ist völlig bewusst, dass mein eigener Eindruck natürlich subjektiv verzerrt wird durch die Tatsache, dass ich bei unzähligen Geburten in meiner Klinik nie dabei bin, eben weil alles gut geht. Dass es viel, viel mehr Geburten gibt, wo alles völlig komplikationslos vonstatten geht, als andersherum.

Und dennoch… nicht übermäßig oft, sogar selten, aber immer mal wieder passiert es dann doch. Dann kommt die Geburt, bei der eben nicht alles gut ist, obwohl doch vorher alles gut war. Bei der das Telefon klingelt und eine panische Stimme am anderen Ende nach dem Kinderarzt schreit. In der ich selbst schon sauerstoffbedürftig in den Kreißsaal stürme und da ein blaues, lebloses Kind liegt. Es gibt sie eben doch, die Notfälle, bei denen es auf Sekunden und Minuten ankommt… alles schon erlebt. In denen die Zeit, in der man im Geburtshaus auf den Rettungsdienst wartet (der ja in der Regel mit einem schwerwiegend beeinträchtigten Neugeborenen auch nichts anfangen kann) und die es dauert, bis das Kind dann schließlich zum Neonatologen gelangt, mehr als ausreicht um an Ende einen irreversiblen Hirnschaden zur Folge zu haben.

Von Seiten der Befürworter der außerklinischen Geburten lese ich ganz oft, dass solche Dinge aufgrund der besseren, individuelleren Betreuung, dem Gefühl für die Schwangere und der im Zweifel frühzeitigen Verlegung in eine Klinik deutlich seltener vorkommen und rein prinzipiell bin ich auch geneigt das zu glauben. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es erscheint mir wenigstens so nachvollziehbar, dass ich es für wahrscheinlich halte. Und dennoch. Dann mag es vielleicht nur 1 von 100.000 Kindern treffen (die Zahl ist jetzt willkürlich aus der Luft gegriffen). Wie wird es einem als Elternteil gehen, wenn dieses eine Kind das eigene ist? Wenn am Ende die Entscheidung für eine schöne Geburt außerhalb des Mühlwerks eines klinischen Kreißsaals zu Lasten des Kindes geht? Für mich wäre das ein Alptraum… wirklich. Natürlich kann eine klinische Entbindung auch keine hundertprozentige Sicherheit bieten, aber zumindest werden die Chancen für einen guten Ausgang maximiert.

Meine Antwort auf obige Frage lautet aus diesem Grund und meiner eigenen zweifellos subjektiven Erfahrung immer Klinik mit Kinderklinik. Es gibt immer noch viele Krankenhäuser, die eine Gynäkologie besitzen, aber keine Kinderklinik im Haus. Im Grunde genommen tut sich dann zum Geburtshaus auch nicht viel, denn bis das Kind dann im akuten Notfall durch einen Kinderarzt versorgt werden kann, vergeht eben so viel Zeit. Zeit, die am Ende dann den Unterschied bringen kann. Außerdem ist die Mutter im Falle einer Verlegung dann nicht beim Kind… auch nicht so schön.

Im Grunde genommen muss man sich als Eltern immer entscheiden, ob dieser letzte Rest an Sicherheit einem mehr bedeutet als ein schönes Geburtserlebnis (das es in einer Klinik ja ebenso geben kann, davon ganz abgesehen). Das soll nicht despektierlich klingen, ich bin weit davon entfernt Eltern, die sich für die außerklinische Geburt entscheiden Verantwortungslosigkeit zu unterstellen… wie gesagt… aber dennoch. Ich für mich persönlich, wenn man mich um meine Meinung bittet, kann keine andere Antwort geben.

Jetzt bin ich gespannt. Wie seht ihr das 🙂 ? Hat jemand von euch im Geburtshaus oder zuhause entbunden und was waren eure Gedanken dazu? Oder warum habt ihr euch für die Klinik entschieden? Und am Ende noch… wie war´s denn dann?

Ich bin ganz neugierig auf Antworten 🙂 .

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