Schlagwörter

,

Leonie ist weg.

Nach 4 Monaten hoffen, bangen, geduldig sein und noch mehr geduldig sein ist sie nun zuhause. Was bedeutet wohl zuhause für ein Kind, das bisher nur Mamas Bauch und die Neointensiv kannte? Sind wir da nicht auch ein bißchen zuhause? Bestimmt… und doch geben wir das gerne her… damit eine Familie nun endlich Familie sein darf.

Leonie war klein, als sie auf die Welt kam. Gerade mal 695g in der 26. Schwangerschaftswoche. Zweieinhalb Päckchen Butter. Eine Handvoll Mensch. Leonies Start war nicht ganz einfach… unverhofft auf die Welt geschubst, aus wohliger, schwereloser Dunkelheit in eine Welt voll blendender Helligkeit, Händen, Schmerzen, Kälte… Gewicht. Im ersten Ultraschall stellte man eine beidseitige Hirnblutung fest. Leonie wurde mehrfach krank, Bakterien, die ihren Körper überschwemmten, aber Leonie kämpfte. Leonie wollte leben.

Man merkte es von Anfang an… eine kleine Zicke… ganz liebevoll gemeint. Auch kleine Kinder haben einen ganz eigenen Willen, einen eigenen Charakter. Ein eigenes Individuum. Man wusste immer, was Leonie mochte und was nicht.

Auch lange später machte Leonie weiter Sättigungsabfälle und mit dem trinken klappte es immer noch nicht so gut. 3 Monate waren inzwischen vergangen… und die Eltern, beide noch unter 20, hofften jeden Tag mit einer Geduld, die ihresgleichen suchte. Eltern, die trotz ihres jungen Alters ungewöhnlich verständig waren, denen ganz bewusst war, was Hirnblutung bedeuten könnte… und die sagten: Das ist unsere Tochter. Wir lieben sie, so wie sie ist. Und das ist alles, was zählt.

Ich war tief beeindruckt… so viel Liebe, so viel Geduld, so viel Verständnis. Und das mit 19 Jahren.

Sie glaubten immer an ihre Tochter und nach 4 Wochen war es dann schließlich soweit. Leonie durfte nach Hause. Ohne Monitor, ohne Magensonde. Und ohne irgendwelche Auffälligkeiten.

Heute waren sie wieder da, 2 Monate später… zu Besuch. Leonie ist groß geworden… seit der U3 hat sie ihre Größe verdoppelt, ihr Gewicht auch. Ein richtiges, süßes, großäugiges, pausbäckiges Baby. Die Eltern erzählen, dass sie viel Bauchschmerzen hat, nachts unruhig ist. Wie andere Babys auch. Ich seh sie lächeln, immerzu, wenn nicht mit dem Mund, dann aber immer mit den Augen, wenn sie Leonie ansehen.

Und es macht mich glücklich… denn dann weiß man, wofür man alles macht. Warum wir kämpfen, lachen, uns in den Nächten quälen, uns sorgen, nicht einschlafen können und manchmal auch weinen.

Es mag ein Klischee sein, dass man Arzt wird oder Krankenschwester, weil man einfach helfen will… aber ich fühl mich wohl damit.

Advertisements