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Die Zeit… ja, mit der ist es so eine Sache. Wir alle kennen das… sie verfliegt, wenn sie lieber ewig dauern sollte und dehnt sich ins Unendliche, wenn man sich wünscht, sie möge doch schneller vorüber gehen.

Es gibt viele solcher Momente, aber selten sind sie mir so bewusst gewesen wie jetzt, als würden sie dort warten… auf der Intensivstation. Ein Ort der Extreme, so fühle ich es im Augenblick. Alles ist dort ganz eng beieinander, Menschen, Gefühle… und die Zeit.

Wie schnell sie vergehen kann…

… abends auf dem Sofa, wenn man endlich, endlich ein paar Stunden für sich hat. Wenn man dem dunklen Kasten entronnen ist, der sich Krankenhaus nennt und in dem ich mich mehr aufhalte als in meinem Zuhause (wenn man die Schlafenszeiten abzieht). Wenn so viel gibt, was man eigentlich mit seiner Freizeit anstellen möchte, wenn man tausende Pläne hat, die sämtlich am Zeitmangel zugrunde gehen.

… wenn man in der Dienstzeit von 8 Stunden noch so unglaublich viel zu tun hätte, wenn man dem Spätdienst eine gemachte Station übergeben möchte und man schon morgens weiß, dass das nie und nimmer klappen wird.

… wenn man gerade erst eingeschlafen ist und der Wecker schon wieder klingelt.

… wenn du das Frühchen, was du zum letzten Mal klein und zart gesehen hast, gerade auf dem Weg nach Hause, jetzt vor dir in der Ambulanz sitzt und die Mama stolz wie Oskar erzählt, dass der Kleine jetzt schon krabbeln kann.

Und dann die Momente, wo die Zeit kaum zu verstreichen droht…

… wenn dir das Kind von der Hebamme aus dem Sektio-OP gebracht wird und du es nicht schreien gehört hast. Wenn es dann vor dir liegt und nichts macht, während du ihm kräftig über den Rücken streichst und es im Geiste anflehst, dass es doch bitte, bitte atmen möge.

… wenn es dich nicht hört und du grausame 10 Minuten auf den Oberarzt wartest, während du dem Kind eine Maske aufs Gesicht drückst.

… wenn das kleine Frühchen auf Zimmer 43 mal wieder einen Abfall nach dem anderen produziert und du neben ihm stehst, den Sauerstoff auf 100% gedreht, während das Pulsoxymeter eine Sättigung von 26% anzeigt und die Herztöne bedrohlich langsam werden und du darauf wartest, dass das Kind sich daran erinnert, dass zum Leben auch das Atmen gehört.

… wenn das Neugeborene vor dir liegt, die Ärmchen und Beinchen zucken rhythmisch, während das Blutzuckermessgerät einen Wert von 22 mg/dl anzeigt und du verzweifelt versuchst einen Zugang zu legen, um den Kind den rettenden Glukose-Bolus zu verabreichen.

… und dann dieser Moment, in dem die Mama ein letztes Mal mit schmerzverzerrtem Gesicht kämpft und dann ein glückliches Lächeln über ihre verschwitzten Züge gleitet, während sie zum ersten Mal den lauten Schrei ihres neugeborenen Kindes hört. Der Augenblick, in dem sie es zum ersten Mal im Arm hält, der Papa über seine neue Familie gebeugt. Blind sind sie beide für alles um sich herum, vergessen sind die Anstrengungen, die Schmerzen, man sieht es an ihren Gesichtern. Die Geburt, jedes Mal ein Wunder.

Auch ein Hauch von Ewigkeit.

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