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Tja. Da bin ich also. Ein bißchen mehr als eine Woche ist nun vorbei – Zeit für ein Resümee. Wie war sie so, die erste Woche?

Anstrengend. Alles ist neu, alle Erfahrungen, die man mühselig in einem Jahr arbeiten gesammelt hat, sind auf einmal nichts mehr wert. Tatsächlich kann man wirklich absolut nichts von dem gebrauchen, was man seit dem Berufseinstieg gelernt hat. Für alles muss man fragen. Selbst die einfachsten Dinge kann man auf einmal nicht mehr allein entscheiden. Man fühlt sich unfähig und doof – für mich ist das ein wirklich unangenehmes Gefühl. Ich arbeite gern selbstständig, zumindest soweit wie es geht und begann mich gerade an meinen neuerworbenen Fähigkeiten zu freuen. Jetzt geht´s wieder von vorn los und ich hasse es. Dass das normal ist und unumgänglich und jedem so geht – weiß ich, hilft aber nichts.

Was fast noch schlimmer ist, Teamarbeit scheint ein Fremdwort zu sein. Jeder für sich und alle für sich selbst. Schwestern gegen Ärzte, mal mehr, meistens weniger, aber immer präsent. Ein, zwei Kollegen, die sich für die geilsten halten, es aber nicht sind und Unfrieden, Lästerei und Zickenkrieg verbreiten. Es ist natürlich nicht immer so, ich kannte ja die Kollegen schon vorher und die meisten sind immer noch nett und hilfsbereit. Nette, nachsichtige Schwestern gibt´s auch – ich muss ihnen ja zugute halten, dass sie in der letzten Zeit mit vielen Anfängern leben mussten, irgendwo ist die Geduld vermutlich auch aufgebraucht. Versteh ich, hilft mir aber nicht.

Es ist natürlich nicht alles schlecht.

Der Leitende ist ein wahrlich grandioser Arzt. In jeglicher Hinsicht. Er hat viel dafür geopfert, um so zu sein und zu dem zu werden, was er heute ist und ich bin sicher, dass ich das nicht möchte – aber ansonsten ist zum Vorbild absolut geeignet. Wenn er da ist, dann läuft es und ich merke täglich, wie ich voran komme, mehr lerne, mehr wisse. Leider ist die Oberärztin eine Trottelfrau und wesentlich mehr da und – ihr ahnt es schon – wenn sie da ist, läuft gar nichts.

Die Frühchen sind toll. Ich gestehe, ich mag gern ein wenig mehr Interaktion mit meinen Patienten, aber sie haben schon ihren ganz eigenen Reiz (ich bin eine Frau im gebärfähigen Alter, Hormone und so, ihr wisst schon). Es ist toll zu sehen, wie sie kämpfen, gegen jede Widrigkeit am Leben hängen, immer ein kleines Stückchen größer werden. Zu sehen, wie sich aus dem dünnen Körper und der faltigen Haut nach und nach ein Gesicht schält, ein ganz eigener kleiner Mensch mit eigenen Macken, Dingen, die er mag und die er  nicht mag.

Heute ist ein Mädchen nach Hause gegangen, 33+4 Schwangerschaftswoche. Sie war schon da, als ich anfing und ist mir besonders im Gedächtnis geblieben als das erste Kind, bei dem es mir gelang einen Zugang zu legen (Arzt halt *lach*). Ganz tapfer ist sie gewesen, hat an ihrem Saccharosestäbchen genuckelt und die ganze Prozedur wie eine Große über sich ergehen lassen. Mama und Papa waren die ganzen Tage dabei, haben sie gewickelt, gefüttert und versorgt. Haben jeden ihrer Schritte behütet und mit Begeisterung jeden Fortschritt verfolgt. Als ich ihnen heute den Entlassungsbrief gegeben habe, haben ihre Augen ganz wunderschön geleuchtet.

Vielleicht wird´s ja doch noch was 🙂 .

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