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Anstrengend war´s.

Dabei begann es gar nicht so ganz schlecht. Ein bißchen rödelig vielleicht, aber nichts, was man allein nicht hätte schaffen können. Die Ambulanz war auch gar nicht mal so voll und um 22 Uhr herrschte wieder Ruhe. Schwester Eva stellte schon den Sekt kalt und wir freuten uns auf Anstoßen und ein bisschen Feuerwerk gucken.

23.10 Uhr

3-jähriger Junge, der (nicht alkoholisierte) Vater war mit ihm auf dem Arm ausgerutscht und auf das Kind gefallen. Zwei dicke Beulen am Kopf und mehrere blaue Flecken am Rücken kündeten von der härter ausgefallenen Begegnung mit der Bordsteinkante. Sophie weint innerlich und nimmt das Kind zur Beobachtung auf. Wenn ich mich beeile, dann schaff ich sogar noch das Nierensono vor Mitternacht. Schaff ich auch, aber…

23.55 Uhr

Mama mit einer 6-jährigen kommt in die Ambulanz.

Mama: „Die Kleine hat ja schon seit 4 Stunden Ohrenschmerzen und wissen sie, ich hab ja auch ewig überlegt, ob ich überhaupt kommen sollte…“

Danke auch. Gibt´s denn einen einzigen Grund, warum sie dann ausgerechnet jetzt kommen? Ihr ahnt es, gab es nicht.

Während draußen die ersten Raketen knallen, rezeptiere ich Ibuprofensaft und Nasentropfen, während das Kindelein mit großen Augen am Fenster steht und die ersten Lichtblitze am Himmel bewundert.

0.15 Uhr

Die Station hat mich wieder und wir wollen gerade den Sekt aus dem Kühlschrank holen, da… kommen unverhofft zwei nette Männer in Rot ums Eck, auf der Trage ein lebloses, stinkendes, nasses, vollgekotztes Bündel Mensch.

Die erste Alkoholleiche des neuen Jahres ist unglaubliche 14 Jahre alt und macht wenig bis gar nichts. Auf einen gezielten Schmerzreiz murmelt sie ungezielt vor sich hin und das war´s dann. Passanten haben sie auf einer Seitenstraße in einem Schneehaufen liegend gefunden, Schuhe und Strümpfe fehlen, ihre Klamotten sind nass bis auf die Haut. Sie selbst ist eiskalt, gerade noch 35°C warm – kalt und in ihrem Haar klebt Erbrochenes. Wir haben gerade noch Zeit, sie auszuziehen, in Ermanglung anderer Sachen in ein Engelshemdchen und eine Pampers zu stecken (die hier nicht der Erziehung dient, sondern schlicht dem, ihr untenrum etwas anzuziehen) und ihr mühselig einen Zugang in die eisige Hand zu pieksen, da…

0.30 Uhr

Sein Gebrüll kündigt ihn an, bevor man ihn sieht.

„Alta, bist Arschloch oder was? Isch schlag dich gleich in die Fresse!“

Die Worte werden undeutlich, weil der freundliche Herr in Rot ihm ein paar deutliche Takte über höfliches Benehmen zum Besten gibt, woraufhin er für ein paar Momente Ruhe gibt. 16 oder 17 ist er und einer von denen, von denen man weiß, dass sie den ganzen Abend nerven werden. Er hat freundlicherweise schon einen Zugang, was mich von der Notwendigkeit entbindet ihm näher als nötig kommen zu müssen. Auf ein Veilchen habe ich wirklich keine Lust.

„Ey Schnecke, willst poppen?“

Glücklicherweise ist Schwester Eva eine heroisch-resolute Person und gemeinsam gelingt es uns ihn soweit einzunorden, dass er sich freiwillig ins Bett legt. Ist auch gut so, denn…

0.40 Uhr

Nummer 3 ist auch eine Große, eine von den Mädchen, die in ihrer Betrunkenheit irgendwie schon wieder niedlich sind. Ganz höflich ist sie, wenn sie es schafft von ihrem Kotzbeutel aufzusehen, aber immerhin kann sie noch halbwegs laufen. Die Handynummer von ihren Eltern kennt sie glücklicherweise auswendig, denn ihr eigenes Telefon hat sie irgendwo verloren. Die Eltern klingen auch nicht mehr ganz nüchtern, aber immerhin kommen sie und holen Nummer 3 eine Stunde später ab. Gut so, denn…

1.40 Uhr

…Nummer 1 hat ihr Handy auch verloren und spricht nicht genug, um sich an überhaupt etwas zu erinnern, geschweige denn eine mehrziffrige Handynummer. Also keine Eltern – wobei an nach Hause ohnehin nicht zu denken wäre.

Da stehen sie nun, alle 3, auf dem Gang, denn unsere Zimmer sind fast alle voll und keiner von ihnen wäre einer Mutter zumutbar, die sich gerade Sorgen um ihr eigenes krankes Kind macht.

Eine Schlägerei gab´s auch noch, aber da hatte die Leitstelle wohl Mitleid mit uns. Von ihnen erreichte uns keiner. Um 4 bin ich ins Bett gegangen, nur um um 8 wieder aufzustehen. Brechender Teenie in der Ambulanz… ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Wenn ihr mögt, könnt ihr ja mal ein bisschen Promille raten 🙂 . Zumindest haben wir das so gemacht… an irgendetwas muss man seine Laune ja hochhalten.

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