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Montag hatten wir hohen Besuch auf Station. Der Nikolaus höchstpersönlich wurde erwartet und den ganzen Tag schon schlinsten sämtliche Kinder, die alt genug waren, um zu laufen, um die Ecke, um zu schauen, wann er denn endlich kommen würde. Dass er eine würdige, weltliche Darstellung durch unseren Oberarzt erfahren würde, wurde natürlich nicht verraten. Weihnachten hat so einen Zauber… wenn man genau schaut, dann sieht man ihn in Kinderaugen leuchten.

„Bringt der denn den Knecht Ruprecht mit?“ hat Tom mich ein bißchen ängstlich gefragt, aber da konnte ich ihn beruhigen. „Würde er denn wohl im schwarzen Buch was über dich finden?“ frage ich ihn dann und er guckt ein bißchen nach unten mit diesem vierjährigen, verschämten Blick, der genau weiß, wann er Mist gemacht hat.

Mama grinst hinter Tom, wo er sie nicht sehen kann.

Um vier Uhr ist es dann so weit. Eine Glocke ertönt, laut und klar über den Stationsflur und da steht er dann auch, groß und schlank, mit roter Bischofsmütze und Stab und weißem Rauschebart, und allem, was dazu gehört. Schwester Agnes ist seine Assistentin und trägt in der einen Hand ein goldenes Buch und in der anderen eine Schale mit Schokonikoläusen.

Tom hat sich schnellen Schrittes hinter seiner Mama versteckt und lugt dennoch mit einer Neugierde, die er nicht ganz verstecken kann, um ihr linkes Bein hervor. Dem Nikolaus wird das goldene Buch gereicht und er liest mit ernster, dunkler Stimme daraus vor, dass Tom ja ein ganz braves Kind gewesen wäre und seine Mama ganz stolz auf ihn ist. Da nimmt er strahlend seinen Nikolaus in Empfang.

Hach, ist das süß! Sophie ist schon ganz gerührt und schwelgt in Kindheitserinnerungen.

Weiter geht´s ins nächste Zimmer, da wartet die kleine Elif mit der Mama. Elif ist auch vier und eine ganz pfiffige Maus. Auch wenn´s eigentlich der falsche Kulturkreis ist, hat sie genauso gespannt gewartet wie alle anderen auf Station. Jetzt schaut sie mit großen Kulleraugen zum Nikolaus hinauf, der gerade etwas über sie aus dem Buch vor liest und ihr anschließend einen Schokoweihnachtsmann überreicht. Strahlend drückt sie ihn an die Brust und zupft dann ihrer Mama am Hosenbein, während der Nikolaus das Zimmer verlässt.

„Du Mama… “ flüstert sie. „Das ist gar nicht der Nikolaus… das ist doch nur der Arzt.“

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