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12.10 Uhr

Die Schwestern sammeln den Zettel samt Kind ein und gehen mit ihm ins Aufnahmezimmer. Da wird er erstmal gemessen und gewogen. Wiegen ist für uns ganz wichtig, weil man anders als in der Erwachsenenmedizin, etwaige Medikamente immer nach Gewicht dosiert. Außerdem messen sie Puls und Blutdruck und fragen die Mama nach Besonderheiten, wie Schlafgewohnheiten oder ein Lieblingsspielzeug. Weil der junge Mann ansonsten noch ganz gut ausschaut (also nicht so, dass man rennen muss, um ihm zu helfen), jage ich erstmal meinen PJler rein. Sie sollen sich in Ruhe mit dem Kind beschäftigen und wenn sie fertig sind, gehen wir das Ganze dann durch.

12.40 Uhr

Ein Kind habe ich noch entlassen, dann ist Stefan fertig und stellt mir das Kind vor. Marvin ist 8 und hat seit gestern Bauchschmerzen. Erbrechen, Durchfall und Fieber sind nicht dabei, der letzte Stuhlgang war heute und normal. Erst hat die Mama gedacht, er hätte sich den Magen verdorben, aber als es immer schlimmer wurde, sind sie dann doch zum Kinderarzt gegangen. Stefan hat den Bauch abgehorcht, beklopft und abgefühlt und dabei gefunden, dass der hauptsächliche Schmerz im rechten Unterbauch sitzt. Hüpfen mag das Kind auch nicht mehr so recht, das würde ihm im Bauch weh tun. Ich hab schon eine Idee und weil der Stefan ein guter PJler ist, hat er die auch und sagt folgerichtig auf meine Frage nach der Diagnose: „Verdacht auf Appendizitis.“ –> Blinddarmentzündung. Wir gehen zu Marvin und nach einem kurzen Gespräch mit anschließender Untersuchung kann ich mich dem ganzen anschließen. Wir legen noch schnell einen Zugang und nehmen ein paar Laborwerte ab, was schnell geht, weil der junge Mann ein ganz Tapferer ist, dann schicken wir Marvin nach einem kurzen Telefonat zu unseren Chirurgen.

13.00 Uhr

Maja ist noch mit Briefen beschäftigt, also gehe ich schnell mal in die Ambulanz. Die Kinderärzte haben Mittagspause, da kommen in der Regel immer mal ein paar, denen das Wort „Mittagspause“ völlig fremd ist und die dann offenbar jedes Mal aufs Neue total überrascht vor der verschlossenen Praxistür stehen oder eben die, bei denen in den 3 Stunden was akuteres passiert. So auch die kleine Melike. Die ist 6 und hat ganz plötzlich Bauchweh bekommen. Jetzt liegt sie da ganz blass auf der Untersuchungsliege und rollt sich zusammen wie ein Fötus im Mutterleib. Sie hat Schmerzen, das kann man schon sehen, auch wenn sie nicht jammert. Eigentlich schaut sie kränker aus als Marvin. Ich frag noch ein bißchen was, ähnliche Dinge wie beim Marvin vorher – und komm auch hier recht schnell auf eine Idee. Mit ein bißchen gutem Zureden darf ich mir auch Melikes Bauch anschauen, der ist ganz weich (wichtig!), aber dafür voller Luft und im linken Unterbauch tastet man – Überraschung! – eine richtig schöne Stuhlwalze. Ganz banal – Melike ist verstopft. Klingt banal.. tut aber ganz schön weh. Akut helfen tut da was ganz einfaches – ein Einlauf. Schwester Agnes ist da Expertin drin, es dauert kaum 3 Minuten, da ist es schon geschehen und Melike auf dem Weg zum Klo. Als sie wieder herein kommt, ist sie kaum wieder zu erkennen. Strahlt, lacht, springt – ich liebe Obstipation!

13.30 Uhr

Marvin ist von den Chirurgen zurück. Die sehen das ähnlich wie wir und wollen in einer Stunde operieren, wenn er wieder als nüchtern gilt. In den abgenommenen Blutwerten sieht man noch nicht so viele Hinweise auf eine akute Entzündung, was aber nichts heißt und im Endeffekt ja auch nicht schlecht ist. Die Chirurgen haben schon mit den Eltern gesprochen, aber die Anästhesisten noch nicht. Schwester Agnes telefoniert noch kurz, ehe sie nach Hause geht.

13.50 Uhr

Der Anästhesist kommt und klärt die Familie über die Narkose auf. Also kann´s bald los gehen.

14.20 Uhr

Noch ein Kind in der Ambulanz. Dieses Mal ein 11 Monate alter Junge, der es irgendwie geschafft hat, über das Gitterbettchen zu steigen und auf dem Kopf zu landen. Er hat sofort geweint, war also nicht bewusstlos und hat im Anschluss nicht erbrochen. In der Ambulanzsituation ist er fit und fidel, hat nur einen kleinen blauen Fleck auf der Stirn. Ich untersuche ihn gründlich, leuchte in die Augen und schaue, ob er sich sonst noch etwas getan hat. Hat er nicht. Ein kurzes Gespräch und die Eltern gehen beruhigt nach Hause.

14.30 Uhr

Marvin wird von den Schwestern in den OP gebracht. Die Eltern bleiben zurück und machen sich Sorgen, verständlicherweise, auch wenn´s für uns doch nur Routine ist. Zum Glück dauert´s nicht lang, da…

15.10 Uhr

…ist er schon wieder da. Noch ein bißchen schläfrig, aber wach und ansprechbar. Die Eltern sind erleichtert, nur die Drainage, die aus seinem Bauch schaut, wird ein bißchen misstrauisch beäugt. Ich erkläre ihnen, dass das dazu dient, Wundflüssigkeiten oder Eiter aus dem Bauch abzuleiten und dass sie, wenn alles gut geht, morgen schon wieder entfernt werden kann. Dann schreibe ich noch ein bißchen Schmerzmittel auf, die Marvin bei Bedarf von den Schwestern bekommen kann. Grundlegend kümmern wir uns um den medizinisch-pflegerischen Teil, die Chirurgen um den chirurgischen. Schuster, bleib bei deinen Leisten.

15.30 Uhr

Nochmal schnell Kurven checken vor der Übergabe, ob man auch nichts vergessen hat. Die Oberärztin schaut noch einmal herein und fragt, ob wir noch was zu besprechen haben, ehe sie nach Hause geht. Haben wir nicht, für heute ist alles soweit geklärt.

16.00 Uhr

Johanna kommt zum Dienst. Wir setzen uns mit einer Tasse Kaffee ins Arztzimmer und erzählen ihr etwas über unsere kleinen Patienten. Therapie, aktueller Stand… wo sie im Zweifelsfall was zu tun haben wird im Dienst. Wenn wir Glück haben, werden wir nicht weiter gestört, wenn wir Pech haben schon. Was für die Schwestern in ihrem Bereich heilig ist, ist ihnen das bei uns noch lange nicht 😉 .

16.40 Uhr

Alles klar soweit. Ab nach Hause!

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