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Bei Neonatalie hat´s mir schon so gut gefallen, also bin ich ganz dreist und klaue einfach einen ganz normalen Tag 🙂 . Meinen ganz normalen Tag. Ich hoffe, das wird legitimiert 🙂 .

7.50 Uhr

Die Turnschuhe machen kaum ein Geräusch auf den mit Lineoleum ausgelegten Krankenhausflur, als ich mit einem „Guten Morgen!“ am Pförtner vorbei in das Haus husche, das für die nächsten 9 Stunden mein Zuhause sein wird. An meinem Spind in unserer winzigen, immer ein wenig muffigen (die Lüftung könnte besser sein) Umkleide stelle ich als erstes fest, dass meine grünen Klamotten alle dreckig sind. Wir tragen keine Kittel auf Station, sondern ähnlich wie im OP oder auf einer Intensivstation Bereichskleidung. Und die ist grün, gefällt mir und passt zu meinem Teint *g*. Also stiefel ich zum Klamottenlager und besorge neue. Jetzt aber schnell, noch das Essen aus der Tasche gesammelt und los geht´s auf Station.

8.00 Uhr

Offizieller Dienstbeginn. Oben angekommen wird das Frühstück im Kühlschrank verstaut und sich ein erster Überblick verschafft. Wen kenne ich, wer ist neu? Heute sind es drei Kinder, die vom Kollegen im Nachtdienst aufgenommen worden und diese mag ich heute mit euch zusammen ein wenig begleiten (natürlich liegen mehr Kinder auf Station, aber das würde hier ein bißchen den Rahmen sprengen). Mein Kollege, der David, ist momentan noch irgendwo beschäftigt, also schnappe ich mir die in Spritzen von den Schwestern fertig gemachten Antibiosen und gehe zu den Kindern, um diese dann zu spritzen. Die Kinder haben natürlich alle einen venösen Zugang und wir nehmen nicht jedes Mal eine Nadel 🙂 . Je nach Kind geht das mit völliger Ruhe oder großem Geschrei einher… ich versuche zusammen mit den Mamas mein Bestes, um während dessen für Ablenkung zu sorgen. Das Spritzen des Antibiotikums kann in der Tat mal brennen, je nachdem, wie lange der Zugang schon in der Vene liegt – zumindest versichern das die großen Kinder, von denen man eine realistische Einschätzung erwarten kann – aber die meisten der Kleineren haben einfach Angst. Leider geht´s nicht anders, aber mit Hilfe der Mamis geht´s meistens doch ganz gut.

8.10 Uhr

Der David ist nun bereit, ein bißchen verwuschelt auf dem Kopf und mit ungeputzten Zähnen – *grusel* – aber naja. Er hat viel zu tun gehabt und da mögen sich manche Prioritäten mal verschieben. Meine Kollegin, die den Tagdienst mit mir bestreitet, die Maja, unsere PJler und ich setzten uns mit ihm zusammen und er berichtet von der Nacht. Einmal ist natürlich interessant, ob sich bei den stationären Kindern etwas getan hat, wichtiger allerdings sind die Neuaufnahmen, die da wären:

Justin, 2 Jahre und 11 Monate: Justin kam mit dem Notarzt zu uns. Er hatte am Abend Schnupfen und ein bißchen Fieber bekommen und dann plötzlich auf dem Arm der Mutter die Augen verdreht, mit Armen und Beinen gezuckt und blaue Lippen bekommen. Etwa 2-3 Minuten habe das gedauert, sagt die Mami, aber sie war sich selbst nicht sicher. Für die Angehörigen ist das meist sehr schwer, in der Regel vergeht die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes in der Regel mindestens doppelt so langsam wie normalerweise. Als der Kollege dann vor Ort war, hatte der Krampfanfall bereits aufgehört. Bei einer Temperatur von 39,8°C gab´s noch ein Paracetamolzäpfchen und dann ging´s ab zu uns. David hat schon Blut abgenommen und das Kind ansonsten in Ruhe gelassen. Als Infektfokus hat Justin einen Atemwegsinfekt, im Labor gab´s nichts interessantes zu sehen – ganz typisch. Abschließend am ehesten der erste unkomplizierte Fieberkrampf bei viralem Infekt der oberen Luftwege. Kind geht´s sonst gut.

Elisabeth Maria Theresia, 7 Jahre: Vom Niedergelassenen kurz vor Praxisschluss noch eingewiesen. Das Kind hustet seit 3 Tagen, hat zunehmend Fieber und nun auch noch Luftnot entwickelt. Den Eltern war aufgefallen, dass Elisabeth so komisch atmen würde, also sind sie zum Kinderarzt gegangen. Der hat die Lunge abgehört und das Kind bei zunehmend schlechter werdenden Allgemeinzustand eingewiesen. David fand Elisabeth auch schlecht zurecht, sie hat viel zu schnell geatmet und unter den Rippen und zwischen den Schlüsselbeinen Einziehungen gehabt. Sein Auskultationsbefund deckte sich mit dem des Kinderarztes. Weil man natürlich Sorge hat, dass die Sauerstoffsättigung im Blut nicht ausreichend ist, hat er Elisabeth an ein Pulsoxymeter angeschlossen und siehe da – 88-89% ist wirklich nicht schön (wir möchten gern etwas über 95%). Es ist ganz interessant… wenn ich mich an ein Pulsoxymeter anschließe und die Luft anhalte, dann schaffe ich es maximal bis 95%, ehe der Atemreiz so groß wird, dass ich wieder Luft holen muss. Das hat etwas damit zu tun, dass der größte Atemanreiz nicht durch den Sauerstoff, sondern durch das CO2 im Blut verursacht wird, aber nun genug des Exkurses 🙂 . Elisabeth bekommt nun also momentan 2l Sauerstoff über eine Nasenbrille. Außerdem hat David ein Röntgenbild gemacht/machen lassen, in dem sich die Lungenentzündung dick und feist im rechten Lungenunterlappen darstellen lässt. Bei zudem deutlich erhöhten Entzündungswerten hat er sich für eine intravenöse Antibiotikatherapie entschlossen. Fazit: Kind geht´s schlecht.

Fynn, 3 Jahre: Etwas, das immer wieder passiert und für das man niemandem einen Vorwurf machen kann, auch wenn das den Eltern selten hilft: Ein Unfall. Die Mama hat Wasser gekocht und Fynn fand das Geblubbere so interessant, dass er unbedingt sehen wollte, was das denn so ist… leider hat er dafür am falschen Kabel gezogen und das kochende Wasser ergoss sich über die Brust und die linke Schulter. Die geschockten Eltern haben zuhause noch gekühlt, ehe sie in die Klinik gekommen sind. David hat sich die Verbrühung nur angesehen, sie grob als Grad II° klassifiziert, desinfiziert und verbunden ohne großartig etwas zu tun. Für heute ist ein ordentlicher Verbandswechel in Analgosedierung geplant – die Versorgung von Verbrennung ist sehr schmerzhaft, gerade zu Beginn, wo die Wunde vernünftig gereinigt werden muss und man mutet das den Kindern in der Regel nicht im Wachzustand zu.

Wir sprechen noch kurz über die anderen Kinder, dann ist die Übergabe vorbei.

8.30 Uhr

Offizielle Frühbesprechung. Die gesamte Ärzteschaft inklusive Chef und Oberärzten trifft sich im Frühbesprechungsraum und der Diensthabende stellt die neu aufgenommenen Kinder vor. In der Regel geht das relativ zügig, zu anderen werden weitere Fragen gestellt, die man so gut wie möglich zu beantworten sucht. Am Schluss werden die Röntgenbilder gezeigt und unsere PJler im Zuge des „Sie-sollen-hier-schließlich-was-lernen“-Leier vor versammelter Mannschaft dazu aufgefordert diese auch zu interpretieren – weswegen man die PJler in der Regel schon im Vorfeld entsprechend pimpt.

9.00 Uhr

Schnelles Frühstück mit den Schwestern, die zufällig gerade auch Pause machen dürfen. Wir sind ein kleines Haus und die Zusammenarbeit mit den Schwestern klappt in der Regel völlig gleichberechtigt und ohne jedes Kompetenzgerangel. Ich gestehe, ich finde das wunderbar, da macht die Arbeit gleich doppelt Spaß 🙂 .

9.30 Uhr

Eigentlich wär heute Chefvisite, aber wie das so ist… der Chef hat irgendeine Vorstandssitzung, also werde ich allein auf den Flur geschickt. Mich stört´s nicht besonders – kann ich wenigstens in Ruhe Visite machen. Andersrum denke ich schon, dass die Patienten auch irgendwo ein Anrecht drauf haben einmal in der Woche vom Chef gesehen zu werden, aber nun gut. Wir sind ein netter Haufen, der da um den Wagen steht… unser PJ Stefan, Schwester Agnes und ich. Wir nehmen immer eine Schwester mit, die uns dann mit Infos über den Patienten versorgt, weil die Schwestern die ja nun in der Regel besser kennen und wissen, wie der momentane Stand ist. Find ich auch absolut prima, weil man sich so super ergänzen und gemeinsam über die weitere Planung sprechen kann.

Los geht´s also… im nächsten Post 🙂 .

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