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Dienst am Samstag.

19.30 Uhr

Der Klassiker. 11-jähriges Mädchen, total verheult, hält sich theatralisch die Brust und klagt über heftigste Herzschmerzen. Was sie da beschreibt klingt zwar wie eine perfekte Intercostalneuralgie, aber für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass da doch was ist, lautet die Maxime in unserem Haus – aufnehmen. Also aufnehmen. Kind strahlt – komisch, die wollen immer bleiben.

20.10 Uhr

Eltern mit 6-jähriger Tochter.

Sophie: „Was fehlt denn ihrer Tochter?“

Papa: „Na, die hustet! Schon seit einer Woche!“

Im Hintergrund verdreht die Schwester schon die Augen.

Sophie *ergeben*: „Waren sie denn schon mal beim Kinderarzt damit?“

Mama: „Ja, wir wollten ja heute eigentlich gehen, aber…“

Papa *fällt ins Wort*: „…aber es hat ja geregnet!“

*bautz*

21.30 Uhr

Mama mit 3-jähriger. Kind halt drei Pickelchen an der Hand und erfreut sich ansonsten bester Gesundheit.

Mama: „Also das hätte ich jetzt schon gerne abgeklärt.“

Selbstverständlich… Sophie sinniert über die Bedeutung des Wortes *Notfall*ambulanz.

23.05 Uhr

4 Monate alter Junge nach zweiter 7-fach Impfung. Der Kinderarzt hatte bereits über Fieber als Nebenwirkung aufgeklärt und Zäpfchen verordnet. Eltern sind Akademiker und völlig hilflos. Das Kind nicht. Das ist zufrieden und spielt mit seiner Schnullerkette.

Papa: „Ja also, wissen sie, unser Kinderarzt hat ja gesagt, da könnte noch Fieber kommen, also haben wir jetzt viermal pro Stunde gemessen.“

Sophie denkt *What the fuck!*: „Okay…?“

Mama: „Naja, und da sind jetzt so viele verschiedene Werte rausgekommen und wir sind uns jetzt irgendwie gar nicht mehr sicher und so… *schaut hilfesuchend* können sie uns denn bitte sagen, ob er jetzt Fieber hat?“

Sophie holt ergebenst das Fieberthermometer raus und misst. 38,4°C.

Sophie: „Das wäre dann erhöhte Temperatur, noch nicht richtiges Fieber.“

Papa *guckt zweifelnd*: „Okay… also müssen wir jetzt noch kein Zäpfchen geben?“

Sophie: „Nein, müssen sie nicht.“

Papa *guckt noch zweifelnder*: „Aber wie oft messen wir dann zuhause nach? Reicht dann einmal in der Stunde?“

Sophie denkt *ohje ohje –> Kursänderung*: „Am besten wäre es vermutlich sie geben jetzt das Zäpfchen, das ist völlig in Ordnung, dann kann das Kind schlafen und sie sind beruhigt. Dann reicht es in einer Stunde einmal nachzumessen und dann gucken sie, wie der Kleine sich verhält.“

Mama: „Okay… *denkt nach*… aber wenn sie doch jetzt kein Fieber hat… müssen wir das Zäpfchen doch jetzt noch nicht geben?“

Sophie sucht nach der Tischkante: „Nein, sie müssen nicht unbedingt, aber…“

Mama: „Also dann geben wir das lieber noch nicht und messen lieber noch ein paar Mal nach. Oder?“

Sophie denkt: GEBEN SIE DAS VERDAMMTE ZÄPFCHEN! Sophie sagt: „Dann messen sie zuhause noch einmal nach und dann lassen sie das Kind schlafen. Wenn es unruhig ist oder quengelt, können sie ja noch mal nachmessen.“

Papa *überlegt*: „Also, müsste man denn bei 38,5°C überhaupt was geben oder könnte man auch noch warten?“

Sophie kommt langsam Dampf aus den Ohren. Papa guckt entschuldigend.

„Entschuldigen sie, aber wir sind uns da einfach noch so unsicher.“

ACH NEIN!

0.25 Uhr

Türkischer Papa mit 6 Jahre alter Tochter. Halsschmerzen und Schnupfen. Kein Fieber. Nach der Untersuchung.

Sophie: „Also das schaut momentan aus wie ein viraler Infekt *blablabla*. Darum würde ich jetzt noch kein Antibiotikum verschreiben wollen, weil *blablabla –> hier bitte Begründung von wegen viral und so einsetzen*“

Papa tritt verlegen von einem Fuß auf den anderen: „Also… ok… also, wissen sie… die Mama hat mich extra wegen dem Antibiotikum geschickt. Den Rest hätten wir auch allein geschafft.“

Wie gut, dass das Leben kein Wunschkonzert ist.

1.10 Uhr

Mama mit 4-Jährigem und verschleierndem Blick. Mama sagt in Zeitlupe:

„Das ist der Leon… und der kann nicht schlafen.“

Ähm… okay?

5.40 Uhr

Nach drei weiteren Aufnahmen, einem tatsächlich kranken Kind und einer Stunde Schlaf klingelt schon wieder das Diensttelefon. Sophie sinniert darüber, wie schön sich das Teil im Blumenbeet machen würde. Eltern mit 2-jähriger.

Mama *aufgeregt*: „Die Kleine hatte zuhause 42°C! Da haben wir Paracetamol gegeben und sind sofort gekommen.“

Besagte Kleine guckt interessiert, was Mama da so treibt. Sophie guckt zur Schwester.

Hildegard *trocken*: „Hier waren´s dann im Ohr 38,3°C.“

Sophie möchte einfach nur wieder ins Bett.

Mama am Schluss der Untersuchung: „Ich danke ihnen.. achja und ruhigen Dienst noch.“

Schon irgendwie dreist – oder?

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