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In einer denkwürdigen Nacht wurde ich Zeuge der Ankunft von Miss Gaga.

Miss Gaga hörte – und roch – man noch, bevor man sie sah. Parfum über Parfum (ja, DM hat viele Tester zum Duftwässerchen ausprobieren) und eine Stimme, die ihrem Vorbild sicher Ehre gemacht hätte – zumindest was Höhe und Lautstärke anging. Miss Gaga ist eine von diesen Teenies, die aussehen wie 16 und sich fühlen wie 18 und die die Tatsache, dass sie in Wirklichkeit erst 13 sind mit traumwandlerischer Sicherheit ignorieren.

Miss Gaga war eine dünne, Größe 34 tragende 13-jährige, die Haare weißblond gefärbt und aussehend, als wäre sie in einen Farbtopf gefallen. Blauer Kajal, grüner Lidschatten und Wimperntusche in einer solchen Masse, die aus Wimpern verklebte, schwarz verkrustete Pfeiffenbürster macht. In der neuesten Kollektion von Orsay gekleidet, stilecht mit Leotop und hautenger Röhrenjeans stand sie kaugummikauend nachts um 3 auf dem Flur und gab sich alle Mühe, nicht verängstigt, sondern angemessen gelangweilt drein zu blicken. Ein wenig schwierig auch für sie, nachdem man ihr in der chirurgischen Ambulanz eröffnet hatte, dass man ihr morgen früh den Blinddarm entfernen müsse.

Ein wenig später (und nach lautstarken Protesten auch ohne Kaugummi) hatte sie sich mit der neuesten Bravo Girl in ihrem  Zimmer breit gemacht und harrte der Dinge, die am nächsten Morgen kommen würden.

Morgens 8 Uhr. Schwester Rabiata kommt zum Wecken.

Schwester Rabiata ist… nun, Schwester Rabiata. Herzensgut, selber schon Oma und seit 30 Jahren im Geschäft. Dementsprechend resolut ist sie auch und es gibt wenig, was sie noch nicht gesehen hat und noch weniger, was sie aus der Ruhe bringt.

„WAS HAST DU DENN GEMACHT??“

Sophie ist ja von Natur aus neugierig (erwähnte  ich das schon?) und auch dienstmüde hätte mich nichts auf der Welt davon abgebracht, so schnell als möglich der Quelle der Unruhe auf den Grund zu gehen. Also schlich ich äußerst gespannt um die Ecke, um zu sehen, wie auch immer Miss Gaga es geschafft hatte Rabiata aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Die kleine Diva hatte ihr Engelshemdchen schon angezogen – wohl mit einem Gürtel, den sie nett und modisch um die Taille geschlungen hatte, denn den hielt Schwester R. gerade in der Hand. Darunter schauten frisch rasierte, gecremte und sonnengebräunte Beine hervor, sowohl die sauber pedikürten als auch sauber manikürten Nägel in feuerwehrrot lakiert. Ich schwöre, auf dem Wimpern war noch mehr Tusche, ist ja auch einfach, wenn man einfach immer mehr drauf macht ohne nachts mal abzuschminken und die Lidschattenfarbe hatte zu einem stylischen Smokey-Eyes-Look mit viel Kajal gewechselt.

„Da sind doch MÄNNER!“ Empört funkelte sie zu Schwester R. hinüber, ganz die unverstandene junge Edeldame angesichts der gestrengen Amme, die den Keuschheitsgürtel bringt.

Ich muss wohl geprustet haben, jedenfalls dreht sich Rabiata um und winkt anklagend mit dem Gürtel.

„Guck mal, was sie gemacht hat! Nicht nur, dass sie sich weigert die Farbe vom Gesicht zu wischen, nein…“

Und mit schnellen Schritten, schneller als Miss Gaga reagieren kann ist sie bei ihr und zieht das Engelshemdchen beiseite. Miss Gaga trägt einen knappen String und darüber malt sich ein formschöner, schlanker GLITZERNDER Bauch ab.

Während ich noch starre, reißt sie empört das Engelshemdchen wieder an sich.

„Da sind doch MÄNNER! Und mein Bauch muss schön sein, wenn sie den operieren!“

Genau… und deswegen hatte sie auch eine Dose Körper-Glitzerpuder akribisch auf allen sichtbaren Hautstellen verteilt.

Das Ende vom Lied war, dass sie unter der Aufsicht von Schwester Rabiata heulend und jammernd sämtliche Farbpartikel von sich entfernen musste – auch das Glitzerpuder.

Eine halbe Stunde hat´s sicher gedauert – wenn´s für die Disco reicht, dann auch für den OP. Komisch, wie schnell man wieder 13 ist.

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