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Das ist hier die Frage.

14 Jahre ist sie, wie sie  so vor  mir sitzt. Die Augen dick mit Kajal umrandet, Wimperntusche in schwarz, eine Strähne im dunklen Haar modisch blondiert. Noch ein bißchen dünn, aber dennoch ist schon alles an ihr dran, was ihren Körper weiblich macht.

Sie hat ein paar Probleme und weil sie nicht mehr weiter wusste, hat sie sich mit einer Rasierklinge in den Arm geritzt und ein bißchen viel getrunken, darum sitzt sie jetzt hier auf meiner Station.

Weil die Mama noch nicht da ist, rede ich ein bißchen mit ihr. So von Frau zu Frau. Sie ist traurig und wütend zugleich – ganz der Teenie, der sie noch ist. Ihre Eltern können ihren Freund nicht leiden, sagt sie. Der ist schon 18 und ihre Mutter hat gedroht ihn anzuzeigen, wenn sie sich weiter treffen. Geschlafen haben sie schon miteinander und sie bereut es nicht. Sie würde es auch wieder tun, sagt sie und wirkt ernst dabei, auch wenn sie ein bißchen lächelt. Ihren Eltern hat sie bis jetzt nichts davon erzählt, dass sie wieder zusammen sind. Das bringt ja eh nichts, sagt sie und guckt mit einer Mischung aus Frustration, Ärger, aber auch einem Funken Traurigkeit in den blauen Augen. Sie versteht nicht, was ihre Eltern dagegen haben, immerhin lieben sie sich und sie waren doch schon ein halbes Jahr zusammen. Und sie fühlt sich reif genug für Sex. Gut, an Verhütung haben sie beim ersten Mal nicht gedacht, das war ziemlich dumm, aber jetzt nimmt sie die Pille.

Ich nicke nur und geh dann mit der Mama reden.

Ich versteh  meine Tochter nicht, sagt sie. Sie redet einfach nicht mehr mit mir und wenn, dann erzählt sie irgendwelche Lügengeschichten. Das mit diesem Jungen, zum Beispiel. Wir haben ihr verboten sich weiter mit ihm zu treffen, aber sie macht es einfach trotzdem. Sie ist doch erst 14… wer weiß, was der alles denkt. Und für Sex ist sie noch viel zu jung.

Ob der Junge denn so schlimm ist, frage ich. Sie schüttelt den Kopf. An dem Jungen liegt es gar nicht und es gehe ums Prinzip. Aber in ihrem Blick ist der gleiche traurig-wütende Ausdruck wie in denen ihrer Tochter.

Was sie denn meint, warum ihre Tochter nicht mehr die Wahrheit sage, frage ich sie sanft und sie senkt den Kopf.

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