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Manchmal ist ein Blick über den Tellerrand ja sehr hilfreich, um die andere Seite besser zu begreifen. Weil ich nun nach einer Spontan-OP hier zuhause bin, an dieser Stelle meine gesammelten Eindrücke… ich muss sagen, mir ist wieder vieles klarer bewusst geworden und ich will unbedingt versuchen, diese Dinge im Kopf zu behalten, um es gegebenenfalls besser zu machen.

1. Unpersönlichkeit

Morgens früh. Zwei Schwestern kommen in mein Zimmer und unterhalten sich. Kein Guten Morgen. Schwester 1 zu Schwester 2: „Ach nee, hier brauchen wir kein Bett zu machen. Die YX (hier wahlweise einsetzen Galle, Appendizitis,…) geht ja heute schon nach Hause.“ Ich glaube, ich habe schon ein bißchen angefressen geguckt, weil ich gar nicht wusste, ob ich lachen oder weinen sollte… da sagt die eine dann gnädigerweise: „Ach, wir unterhielten uns bloß, dass wir ihr Bett nicht mehr machen brauchen, weil sie ja heute gehen.“

Ach nein. Blöd bin ich nicht und dement auch noch nicht.

Ich finde sowas FURCHTBAR. Klar, dass man sich im Schwesternzimmer so unterhält… aber das vor dem Patienten zu machen, der im selben Raum ist und das auch geistig noch auf die Kette bekommt – grauenhaft! Der Patient ist doch kein Objekt und auch keine Krankheit – sondern ein Mensch. Bitte niemals nie nachmachen.

2. Angst.

Der Patient hat Angst. Ich auch.

Ich empfand als es extrem gruselig, da in meinem Zimmer darauf zu warten, dass man mich abholt. Und noch schlimmer war es, da auf dem OP-Tisch zu liegen und unter die Decke zu starren. Es war a… kalt, Leute laufen um mich herum ohne mich wirklich wahr zu nehmen. Ich musste ein bißchen warten, weil in meinem Saal die Ausleitung länger gedauert hat, also hat man mich im Flur davor abgestellt und mich allein liegen lassen. Das war schon als Wissender schlimm, wie furchtbar muss es da für jemanden sein, der noch nie in einem OP gearbeitet hat? Und dann diese Ignoranz… keiner spricht mit einem, weil man könnte ja antworten. Oder nerven. Oder so. Ich war sowas von erleichtert, als die Anästhesistin dann kam und das Warten endlich ein Ende hatte.

Bitte, bitte, liebes OP-Personal.. beachtet eure Patienten. Die brauchen das.

3. Zuwendung

Ich hatte eine super Anästhesistin. Sie hat mit mir geredet, mich abgelenkt – sie war einfach… nett. Es ist sehr hilfreich das Gefühl zu haben, jemand kümmert sich um einen. Und dann ganz wichtig – als es dann ans Schlafen ging, hat sie mir die Hand auf die Schulter gelegt. Kleine Geste – große Wirkung. Es ist schön zu wissen, dass man in diesem Moment, in dem man sich verwundbar fühlt und – für mich am schlimmsten – ausgeliefert, nicht alleine ist. Mir hat es das einfacher gemacht… das Gefühl, dass nach der Einleitung alle mit mir machen können, was sie wollen, hat für mich etwas sehr gruseliges.

4. Pro TIVA

Grundsätzlich gibt´s ja zwei Möglichkeiten zur Narkose (die Anna mag mich hier berichtigen). Einmal nach der Einleitung mit einem Mittel zum schlafen auf eine inhalative Narkose mit Gas oder man macht es komplett über die Vene. Das nennt sich dann TIVA – total intravenöse Anästhesie. Hat den Vorteil, dass man danach nicht noch ewig transusig durch das Narkosegas ist, sondern sofort klar und wach. War bei mir auch so – ich fand das super.

Und noch was. Man sagt das dem Patienten ja immer so nett, aber es stimmt tatsächlich – Propofol brennt! Ich hab das Gefühl gehabt, mir fällt der Arm ab. Also seit lieb zu euren Patienten, wenn ihm das weh tut. Bei mir hat man dann einfach gewartet, bis die erste Ladung am Gehirn angekommen war und ich geschlafen habe.

5. Pro Schmerzmittel

Ich bin ja ohnehin ein Freund von suffizienter Schmerztherapie. Am eigenen Leib zu erfahren wie schön es ist, wenn die Schmerzen weg gehen, hat mich darin noch bestärkt.

Und Dipidolor (ein relativ potentes Schmerzmittel) ist ja schon krass… ich war danach total high. Aber die Schmerzen waren viel besser *lach*.

Soweit… hängen geblieben ist bei mir vor allem wie wichtig es ist sich mit dem Patienten zu beschäftigen, um ihm in einer potentiell Angst machenden Situation so gut wie möglich zu helfen. Bei den Kindern machen wir das sowieso… aber genauso wichtig ist es für die Großen.

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