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Bei Josephine habe ich gerade diesen Artikel gelesen und musste mit einem schrägen Grinsen an ein besonders schönes Erlebnis meiner Anfangszeit denken.

Meine zweite Arbeitswoche. Sternenmond kommt irgendwann am Nachmittag voll im Anfängerstress ins Schwesternzimmer gerast und fängt an im Visitenwagen wild Akten an sich zu klauben, um eigentlich längst überfällige Briefe zu  schreiben (aber wenn man für die Visite dreimal länger braucht als die anderen, ist das vom Zeitmanagement immer ein bißchen… schwierig).

Am Wagen steht ein älterer Herr in Hemd und Krawatte mit seriös ergrauten Haaren und einer schicken randlosen Brille und schreibt etwas mit seinem Markenkugelschreiber auf einen Konsilschein. Herr M. ist seines Zeichens Kinderkardiologe und macht bei uns im Haus konsiliarisch die anfallenden Herzgeschichten. Herr M. ist super in dem, was er macht und eigentlich auch ein unglaublich netter, sehr lehrreicher Mensch (wenn er will). Aber er ist auch ein Doktor der alten Schule. Der ganz alten Schule.

Sternenmond richtet sich mit hochrotem Kopf auf, drei Akten in der Hand und streicht sich das wirre Haar aus dem Gesicht, das da frecherweise reingefallen ist. Herr M. schaut durch seine rahmenlose Brille auf sie herab, schüttelt ganz leicht mit dem Kopf und sagt dann in diesem unsagbar herablassend klingenden Tonfall, mit dem unsereins den herantobenden, nervenden, kleinen Bruder bedenkt:

„Guten Tag. Wer sind sie denn? Die neue Schwesternschülerin?“

DAS war ernüchternd. Aber immerhin hätte ich fast gelacht. Als er mich dann nach Richtigstellung meiner Position nach den neuesten Zahlen zur Säuglingssterblichkeit in Deutschland und weltweit gefragt hat nicht mehr.

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