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… Kapitel aus dem Buch des Alltagswahnsinns.

Sternenmond in der Ambulanz. Das Kind ist 4 und wirkt… komisch. Marvin sitzt da auf dem Schoß der Mutter und nickt immer wieder ein. Kaum spricht man nicht mehr mit ihm sinken die Lider herab und die Mama hat Mühe ihn wieder wach zu kriegen. Himbeerrote Flecken auf seinem Pullover weisen dezent darauf hin, dass der kleine Mann im Laufe des Morgens wohl seinen Hagebuttentee erbrochen hat.

Sternenmond *guckt zu Schwester Mareike und dann zur Mutter: „Seit wann ist er denn so?“

Mutter: „Ja, seit heute morgen… ganz komisch. Ich war schon beim Kinderarzt, aber da war nichts festzustellen und der hat gesagt, wenn das schlimmer wird, dann sollen wir hier her kommen. Und dann hat er erst mal erbrochen… ich krieg ihn gar nicht richtig wach.“

Sternenmond: „Ist denn noch was anderes gewesen?“

Schwester Mareike mischt sich ein: „Die Mama sagt, er wäre beim Toben vor 3 Tagen gestürzt und ordentlich auf den Hinterkopf gefallen.“

Sternenmond hört die Alarmglocken klingeln: „Vor 3 Tagen war das?“

Die Mutter nickt heftig und Sternenmond beschließt den Jungen lieber aufzunehmen und dem Chef  zu zeigen.

Chef guckt wenig später im Zimmer das Kind kurz an, fragt auch noch mal nach dem Sturz und beschließt dann in den sauren Apfel zu beißen und das Kind zum Ausschluss einer Hirnblutung nach Sturz ins CT zu schicken. Die Strahlenbelastung ist dabei relativ groß und eigentlich machen wir das bei Kindern nur ungern, aber es geht schnell und falls es tatsächlich eine Blutung wäre, ist es wichtig, das auch herauszufinden.

Sternenmond geht also mit Kind und Mutter ins CT, eine Stunde später ruft der Radiologe an, es wäre nichts zu sehen. Zum Glück. Als der Oberarzt dann zurück auf Station kommt, wird über Marvin berichtet und wir gehen zusammen ins Zimmer. Marvin schläft.

Oberarzt: „Im CT war alles in Ordnung. Wie war das denn mit dem Sturz?“

Mutter: „Ja, wissen sie, das ist so ungefähr anderthalb Wochen her, da…“

Sternenmond und Schwester Mareike schauen sich an.

Oberarzt: „Wann sagten sie, war der Sturz?“

Mutter: „Ja, vor anderthalb Wochen ungefähr!“

Und damit scheidet der Sturz als Ursache quasi zu 100% aus… und wäre das der Mutter ein wenig früher eingefallen, hätte man dem Kind eine Vollbestrahlung des Gehirns auch gut ersparen können *seufz*.

Ganz abgesehen davon, dass man sich in diesem Moment als Assistenzarzt wie ein Volltrottel fühlt 😀

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