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Ich fürchte ja, irgendwann ereilt es uns alle. Die Furcht vor DEM Fehler. Dem Fehler, der am Ende die schlimmsten Konsequenzen nach sich zieht. Im Dunkeln lauert er, wenn wir uns eigentlich ganz sicher fühlen und nutzt seine Chance, wenn man nicht auf ihn guckt.

Heute war meiner… oder auch nicht. Ich bin nicht sicher, ob es wirklich ein Fehler war oder ob ich mit meinen 6 Wochen Erfahrung überhaupt etwas hätte bemerken können oder aber auch, ob überhaupt etwas zu bemerken gewesen wäre.

Der nicht medizinisch vorgebildete Leser mag mir hier verzeihen, wenn es allzu medizinisch wird. Ich werde mich bemühen zu erklären, wo ich kann, aber momentan ist meine Stimmung schlecht und meine Erklärversuche vielleicht nur unzureichend.

Der junge Mann ist sieben Jahre alt und wird gegen 13 Uhr von seinem Kinderarzt angekündigt. Er möchte nur Röntgenbild und deswegen überweist er ihn erst einmal zur Röntgenabteilung. Wir könnten ja dann das Bild begucken und entscheiden, ob er überhaupt bleiben soll. Der Kinderarzt ist ein sehr erfahrener, also wies zu diesem Zeitpunkt offenbar nichts daraufhin, das etwas nicht stimme. Zumindest rede ich mir das ein.

Das Kind kam dann auch tatsächlich und fand sich gegen 14.15 Uhr bei uns auf Station ein, damit wir das Bild begucken sollten. Was soll ich sagen? Fieses Bild. Der rechte Unterlappen stellte sich völlig weiß dar, was bedeutet, dass er aus irgendeinem Grund nicht mehr belüftet wird und dem Jungen somit zum atmen fehlt. Der Grund hierfür war, wie noch relativ leicht zu eruieren, eine Lungenentzündung, denn das Kind fieberte und hustete seit Donnerstag.

Die PJlerin hat ihn dann aufgenommen und mich dann gegen 15 Uhr zum abhorchen dazu gerufen. Vom Befund her bestätigte sich das Bild und ich teilte der Mama mit, dass sie wohl ein paar Tage Krankenhaus gebucht hätte. Das Kind war müde, schlapp und sein Herzschlag war ein bißchen zu schnell… aber das steht ihm auch zu in dieser Situation. Dachte ich.

Wir haben also Blut abgenommen und das ganze Zeugs ins Labor geschickt und den jungen Mann aufs Zimmer. Da war es dann ungefähr halb 4. Um viertel nach 4 ruft panisch die Laborfrau an. Das CRP (ein Entzündungsmarker) sei 70 mg/dl (oder 700 mg/l für alle, die andere Einheiten haben) und damit astronomisch hoch. Außerdem waren die Nierenwerte erhöht, aber das müsste sie noch gucken.

Sternenmond starrt die Zahl an und ruft dann panisch den Oberarzt zu Hilfe. Der kommt zusammen mit dem Chef und verlangt erstmal eine erneute Blutabnahme  zur Kontrolle. Und dann gehen wir zum Kind. Er liegt da im Bett mit mittlerweile 39;8°C trotz fiebersenkender Mittel und hat eine Herzfrequenz von 160. Die Haut ist blass und eisig kalt und wir alle denken uns, dass so ein Kind mit einer Blutvergiftung ausschaut.

Jetzt mache ich mir Sorgen… hätte ich das schneller merken müssen? Hätte ich das wohlmöglich eher sehen müssen, noch vor dem Labor? Hätte ich das Röntgenbild nicht so leicht nehmen dürfen, wobei leicht natürlich relativ ist, aber er war nicht der erste in den zwei Wochen, der so ein Bild hatte und der dennoch völlig stabil war?

War das meine Schuld?

Und dann so dumme Fehler… Antibiotikum gegeben und im selben Moment gemerkt, dass eine Blutkultur nicht abgenommen war… den Fehler haben wir sofort korrigiert, aber macht diese Gabe fünf Minuten vorher schon jeden Keimnachweis zunichte? Die schlimmen 15 Minuten in der Straßenbahn, als mir einfiel, dass ich den miesen pO2 in der Blutgasanalyse auf die Tatsache geschoben habe, dass es eben eine venöse Abnahme war… und ich mir dann auf einmal gar nicht mehr sicher war bis zuhause, dass das auch tatsächlich so ist?

Und jetzt hat meine Kollegin so viel zu tun und ich kann nicht mehr anrufen… ich grusel mich 😦 .

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