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Ich lebe noch, aber ich bin müde und habe ein sehr konstantes, kaum überlistbares Freitagsgefühl. Leider offenbart ein Blick in den Kalender, dass auch Gefühle trügen und ich mich mit dem Gedanken abfinden muss morgen noch einmal um 6 Uhr mein wärmendes Bett zu verlassen.

Der Schnee macht den Klinikalltag zwar verdächtig ruhig, aber ein paar Prachtexemplare schaffen es immer noch in die Ambulanz, um meine Nerven zu strapazieren und mich an der Intelligenz deutscher Eltern mehr und mehr zweifeln zu lassen. Vielleicht sammeln die sich aber gerade auch nur in unserer Klinik^^.

Fall 1:

Eltern kommen mit der 8-jährigen Tochter in die Ambulanz. Die Tochter ist nett und wirkt überhaupt nicht beeinträchtigt, wie sie da hinter den Eltern herspaziert und mir die Hand gibt. Nur ein bißchen schüchtern ist sie.

Sternenmond: „Hallo, was ist denn passiert?“

Mutter (sehr besorgt): „Ja, also, die Celine-Mia-Charlotte (ja, ich geb zu, das ist von Kinderdoc geklaut, aber ich liebe das bei ihm 🙂 . Kinderdoc, wenn du da ein Copyright drauf hast, bitte bei mir meckern) hat so seit Weihnachten immer wieder so schlimme Bauchschmerzen.“

Sternenmond (guckt zum Kind): „Jetzt auch?“

Mutter (guckt auch zum Kind): „Nee, jetzt nicht. Oder Schätzchen?“

Kind (zuckt mit den Schultern und schüttelt den Kopf)

Sternenmond (Was tun die dann in einer NOTFALL-Ambulanz?): „Hat sie das denn so schon mal gehabt?“

Mutter (nickt heftig): „Ja, wir waren vor 2 Jahren ja schonmal in Uniklinik XY, die haben da so eine Fruchtzuckerunverträglichkeit diagnostiziert…“

Sternenmond (schwant schon Übles): „Und haben sie sich denn dann an die empfohlene Diät gehalten?“

Mutter: „Nee… wissen sie, nachdem wir da waren, da waren die Bauchschmerzen auf einmal weg und da haben wir das nicht mehr gemacht. *will vom Thema ablenken* Aber jetzt hat sie ja auch wieder Bauchschmerzen und wir können uns das gar nicht erklären. Und keiner macht was *vorwurfsvoller Blick*!“

Ach nein… wenn doch die Diagnose schon feststeht und es dann dennoch zuviel verlangt ist, sich auch daran zu halten…

Fall 2:

Sternenmond hört das Kind schon vom Flur aus im Ambulanzwarteraum randalieren. Mutter kommt rein und zieht den 6-jährigen Sohn hinter sich her, der offenbar keine Lust hat mit dem Krachmachen aufzuhören.

Mutter: „Ja, der Marcel-Fynn-Niklas, der isst seit 3 Tagen nichts mehr!“

Sternenmond: „Ja, hat er denn auch noch was anderes?“

Mutter: „Ja, so´n bißchen Husten noch… aber er isst nichts!“

Thorsten-Marco-Bushido hustet währenddessen massig zähen Schleim – und findet offensichtlich, dass die Stofftiere auf der Liege auf dem Boden besser aussehen.

Sternenmond nimmt dem Jungen die Stofftiere ab und bugsiert ihn auf die Liege zum untersuchen. Das mag er dann auch, weil sich mal jemand mit ihm auseinandersetzt vielleicht.

Sternenmond: „Ihr Sohn hat einen Virusinfekt, deswegen isst er nichts. Das ist aber nicht schlimm, ihm geht´s ja offensichtlich gut und Fieber hat er auch nicht. Lassen sie ihn einfach viel trinken und geben sie ihm den Saft hier, dann ist das in ein paar Tagen ausgestanden.“

Mutter (nimmt das Rezept): „Okee Frau Doktor… aber ist es denn wirklich nicht schlimm, dass er nichts isst?“

Sternenmond (Ja, weil er bestimmt innerhalb von 3 Tagen verhungern wird): „Nein, das ist nicht schlimm.“

Mutter guckt zweifelnd und packt den Sohn ein. Ich könnte dafür wetten, dass sie im Anschluss noch zu ihrer Kinderärztin gefahren ist (wo sie eigentlich als erstes hätte hingehen sollen).

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