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Eigentlich hab ich nichts gegen mündliche Prüfungen.

Ich bin eine Frau, ich bin mit einem sehr sprachfreudigen Mundwerk gesegnet (oder verflucht, es kommt da wohl ganz auf die Sichtweise an) und habe keinerlei Probleme vor anderen Menschen zu reden. Bislang habe ich die schriftlichen Prüfungen immer als schlimmer empfunden – immerhin kann man da nicht einfach loslabern und mit jedem Wissensbröckchen, das man irgendwo im eigenen Hirn findet, noch Punkte machen.

Heute haben die ersten in meinem PJ-Haus ihre Prüfungen gemacht (und bestanden) und ganz plötzlich bin ich furchtbar nervös, obwohl ich ja eigentlich noch 5 Tage Zeit habe. Ich habe das doofe Gefühl mit einem Mal überhaupt nichts mehr zu können. Oben tut man das Wissen in den Kopf und unten purzelt es schneller wieder heraus, als man wieder nachfüllen kann.

Dazu kommen noch die fruchtbaren Prüfungsvorgespräche im dritten und vierten Fach. Der gynäkologische Oberarzt war unglaublich nett, völlig verständnisvoll („Es ist ja nur euer viertes Fach…!“) und erwähnte dann im nächsten Nebensatz die ungeheuere Wichtigkeit der Harninkontinenz und des Descensus uteri für die gynäkologische Praxis (und Prüfung) im unwichtigen vierten Fach. Dazu kommen dann eine Vielzahl von gynäkologischen Tumoren, deren Wichtigkeit ich zweifelsfrei anerkenne – aber warum in Gottes Namen brauchen die Gynäkologen neben der gängigen TMN-Klassifikation noch eine eigene, nämlich die FIGO? Und warum muss die pro Karzinom mindestens 10 verschiedene Stadien haben? In meinem Kopf gehen die alle durcheinander, war FIGO IIA2 jetzt Cervix oder Endometrium und macht man da nochmal eine Radiochemo oder doch die OP? Oder beides? Hat jemand noch einen schnellen Tipp, wie man übersichtlich die verschiedenen Therapieoptionen des Mamma-Carcinoms in seinen Kopf bekommt (Hilfe Josephine!)?

Und dann noch das Prüfungsgespräch beim Pädiater. Das fand gar nicht statt („Ich habe keinerlei gesteigertes Interesse einen von ihnen vor der Prüfung noch einmal zu sehen. Warum auch?“). Nun ist die Pädiatrie ein unglaublich riesiges Fachgebiet und selbst wenn ich alles versucht hätte, ich hätte nie alles lernen können. Nur… was lernt man dann? Neonatologie? Ja klar. Prävention und Vorsorge? Ja klar. Gastroenterologie. Vielleicht. Neuropädiatrie? Ja vielleicht… aber habe ich im PJ nie etwas von gesehen.

Ob ich gefrustet bin? Ja, ein bißchen schon.

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