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Wer von uns kann sich nicht daran erinnern? An das Knistern der Verpackung, das Ritschen der Folie, wenn man sie öffnet, die Vorfreude, die sich in der Magengrube ausbreitet und den Adrenalinstoß, der die Hände zittern lässt, wenn man sie ansetzt…

Die Nadel. Die Rede ist natürlich vom Blutabnehmen.

Es war das Highlight des fünften Semesters. Endlich, endlich hatte man das leidige Physikum hinter sich gebracht und jetzt war man schon was wirklich tolles – man war ein Klinikstudent! Und wer bis dahin noch nicht das Glück hatte es im Pflegepraktikum probieren zu dürfen, der harrte jetzt voller Ungeduld auf den Moment, an dem es endlich erlaubt war.

Bei uns war der Anlass die Hepatits B- und HIV-Testung im Rahmen des Klinische-Chemie-Praktikums. Vorher kamen wir noch in den Genuss eines Lehrfilmchens aus den 80ern, um uns die richtige Technik anzueignen und dann ging´s auch schon los. Im Labor, umgeben von Keramikfließen und Eppendorfpipetten, ließen sie uns aufeinander los, bewacht von einer MTA für 12 Leute, die gar nicht genug Augen hätte haben können, um überall zu löschen, wo es brannte.

Sternenmond hat unweiblich riesige Venen, die man gar nicht stauen muss, um reinzupieken und bot der Blutabnehmpartnerin also heroisch an anzufangen. Eine Butterflynadel war der Uni für den gemeinen Studenten zu teuer, also ließ man uns mit Kanüle hantieren.

Meine Partnerin staute also, sprühte wild mit dem Desinfektionsspray und setzte dann todesmutig die Nadel an. Eigentlich hat sie es wirklich gut gemacht, den Pieks hab ich kaum gemerkt und – zwupp – war sie in der Vene.

Sternenmond atmet auf, die Partnerin noch viel mehr und beginnt dann Blut in die hinten aufgesetzte Spritze zu saugen. Sternenmond entspannt sich, immerhin ist das schlimmste überstanden, auf einmal macht es *tschhhh*, wir gucken runter – und beim Ansaugen hat die Partnerin die Nadel wieder aus der Vene gezogen.

Sie wird kalkweiß, ich ahne nichts gutes und anstatt die Kanüle einfach wieder reinzuschieben – schreit sie auf und reißt die Hände zurück. Mit der Nadel.

Aus dem gestauten Arm sprudelt das Blut fröhlich und bildet in rasanter Geschwindigkeit einen kleinen See, während ich hektisch mit links versuche den Stauschlauch zu öffnen, aber es mangels Übung nicht hinbekomme.

Die MTA wird bei dem Radau auch aufmerksam und kommt mit hochrotem Gesicht zum Tisch gerannt, während sie mit einem Blick die Situation erfasst. „Was machen sie denn da für einen Mist?!“ und die Partnerin guckt peinlich berührt zu, wie sie mit routinierten Bewegungen den Stauschlauch öffnet und mir einen Tupfer reicht.

Das Ende vom Lied war ein riesiges Hämatom und kein Blut im Röhrchen und meinerseits zwei frustrane Versuche bei ihr, weil ihre ohnehin nicht gerade reichlichen Venen unter der immensen Adrenalinkonzentration in ihrem Blut zu kaum noch sicht- bis tastbaren Kanälchen zusammen geschrumpft sind.

Die MTA nimmt dann übrigens bei denen ab, bei denen es nicht geklappt hat – mit Butterflys.

Lustig war´s 🙂 .

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