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Es gibt Neuigkeiten zu Herrn L.

Trotz allen Widrigkeiten hat Herr L. sich zur OP entschlossen. Mitte Oktober bekommt er erst auf der einen, im Januar dann auf der anderen Seite ein neues Knie. Offenbar hat ihm im Krankenhaus niemand gesagt, dass das unter Umständen in Anbetracht seines Allgemeinzustandes Probleme mit sich bringen kann.

Ehrlich gesagt… ich kann´s mir hervorragend vorstellen. In meinem PJ-Haus ist auch alles be-TEP-t worden, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Inklusive der Hüfte für den 160 kg Mann, bei dem wir zu zweit das Bein für eine dreiviertel Stunde lang in denkbar unbequemer Position halten mussten. Ist ja auch auch kein Wunder – so eine Prothese bringt schließlich ordentlich Geld in die Kassen der jeweiligen Klinik. Und wie es hinterher dem Patienten ergeht – nun, das kriegt man ja ohnehin nicht mehr mit.

Herr L. auf jeden Fall kriegt jetzt sein neues Knie. Er hätte noch zwei Monate Zeit bis dahin. Genügend Zeit zum Abnehmen, aber er hat keine Lust. Er glaubt stattdessen lieber, mit einem neuen Knie sind alle seine Probleme gelöst. Dass er danach laufen kann wie ein junger Gott. Dass sein durch zwei Infarkte geschädigtes Herz aber nach 10 m Gehstrecke vor seinen 140 kg kapituliert, das möchte er lieber nicht sehen.

Herr L. hätte auch gern eine ambulante Reha gemacht. Allerdings stellte sich die Frage, wie er die insgesamt 7 Stufen zu seiner Wohnung mit einem frischoperierten Knie bewältigen möchte, ganz zu schweigen die 12 Stufen zu seinem Bett. Seine Angehörigen haben das mit gutem Grund abgelehnt – wenn er fällt und man dahinter steht, ist man im schlechtesten Falle tot. Also wird er jetzt doch in die stationäre Reha gehen und man fragt sich, wie das Ergebnis dann am Ende aussehen wird. Einmal hatte er schon Krücken zur Entlastung. Damit war an Laufen gar nicht erst zu denken, die Luft war zu wenig und das Risiko einer Schenkelhalsfraktur zu hoch.

Ich kann problemlos akzeptieren, dass er weiter leben möchte wie bisher. Essen, weggehen, mit Freunden unterwegs sein, mal ein Bier trinken. Aber dann müsste er auch die Nachteile in Kauf nehmen, die damit einhergehen. Luftnot, Schmerzen, Immobilität.

Essen und Knie-TEP – eine Entweder/Oder-Entscheidung, die dank der heute praktizierten Chirurgie keine mehr ist.

Ich bin wirklich gespannt, ob er sich im Januar das zweite Knie machen lassen wird.

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