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Herr L. stammt aus meinem Bekanntenkreis und ist Anfang 80. Neben seiner Herzinsuffizienz, die ihm zunehmend Luftnot und Wasser in den Beinen beschert, hat er auch noch ein kaputtes Knie. Sein Orthopäde hat ihm über ziemlich lange Zeit hinweg Cortison hinein gespritzt und damit ging es auch halbwegs. Aber nun hat Herr L. dünne Haut bekommen und fängt jedes Mal an zu bluten, wenn er sich irgendwo stößt, so dass der Orthopäde nun die Notbremse gezogen hat und ihm keine Spritzen mehr geben will.

„Es hilft alles nichts, sie brauchen ein neues Knie.“ hat er gesagt.

Nun hat Herr L. aber noch ein Problem. Er ist zu dick. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern ein bisschen mehr. Tatsächlich müsste er mindestens 30 Kilo abnehmen, aber dazu hat er keine Lust. Seine Frau kocht gut und backt noch besser und sieht leider, wie so viele ihrer Generation, in einer – sagen wir – stabilen Figur ein Zeichen für Wohlstand und Gesundheit.

Das Gewicht von Herrn L. potenziert seine gesundheitlichen Probleme auf ein Vielfaches. Zu seiner Wohnung führen 6 Stufen und die schafft er noch ganz gut. Zu seinem Schlafzimmer im ersten Stock führen 15 Stufen und die sind schon ein Problem. Die Luft fehlt und das Knie schmerzt schon nach der Hälfte. Kein verantwortungsbewusster Chirurg wird ihm so ein neues Knie einbauen (sollte man meinen – meine Erfahrungen bislang haben mich eines besseren belehrt).

Aber obwohl sein Gewicht so viele Probleme macht – abnehmen will er nicht. Egal, wer es ihm sagt, ich, meine Eltern, seine Ärzte – keine Chance. Sowas ärgert mich. Jeder macht Dinge, die schlecht für einen sind. Süßigkeiten, mal mehr als die empfohlene Menge Alkohol trinken, dem Schweinehund nachgeben und nicht zum Sport gehen.

Aber wieso lassen sich Menschen durch so etwas so massiv in ihrem Alltag einschränken, wenn sie es doch selbst in der Hand hätten etwas daran zu ändern? Es ist ja nicht länger mehr nur ein Laster – es ist eine Behinderung und dann noch eine Selbstgemachte.

Trotzdem ändern sie nichts. Und ich versteh´s nicht.

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