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Visite an einem ungenannten Morgen.

Es ist heiß und Wieland und Sternenmond stehen schwitzend am Visitenwagen und wälzen die Kurven. Eine Patientin fällt auf. Frau E., 40 Jahre alt mit Urosepsis. Sie hatte beim ersten Brennen beim Wasserlassen zuhause schon mal ein Antibiotikum eingenommen, das der Hausarzt vor ein paar Wochen ihrem Mann verschrieben hatte. Interessanterweise wäre es sogar das gewesen, mit dem wir es auch probiert hätten, nämlich Ciprofloxacin – aber Pech für sie, der Klebsiella fand das ganz toll und dachte gar nicht daran sich von so einem profanen Standardantibiotikum aus Frau E.s Harnwegen vertreiben zu lassen.

An besagtem Morgen war das aber gar nicht das Problem. Frau E. ging es wieder gut, aber sie hatte etwas Neues. Eine Hypokaliämie, also zu wenig Kalium im Blut. Wieland schaute schon so feixend mit diesem Jetzt-bringt-dir-der Assistenzarzt-mal-was-bei-Blick von der Seite und das hätte Sternenmond schon warnen sollen.

„Was meinst du, woher sie das hat?“

Große Leere in Sternenmonds Kopf, bevor nach und nach die Differentialdiagnosen in Sicht kommen. Durchfall und Erbrechen – hatte sie nicht. Ein Conn-Syndrom – exotisch und darum sehr unwahrscheinlich (außer für das IMPP selbstverständlich – Mit- und Exstudenten wissen, was ich meine). Und Diuretika, also harntreibende Medikamente, die man zum Beispiel bei Bluthochdruck einnehmen muss, nimmt sie in Ermanglung eines solchen auch nicht ein.

Sternenmond zuckt also etwas ratlos mit den Schultern und Wieland grinst noch mehr.

„Pass auf, jetzt zeig ich dir was.“

Die beiden marschieren also ins Patientenzimmer, wo Frau E. gemütlich im Bett liegt und Fernsehen guckt. Wieland baut sich vor dem Bett auf und setzt eine betont strenge Miene auf – betont sehe ich, Frau E. denkt allerdings, dass es jetzt ernst wird. Wird´s ja dann irgendwie auch.

„Heute muss ich mal mit ihnen schimpfen, Frau E. Ich habe ihnen doch schon erklärt, dass sie nicht einfach das Antibiotikum von ihrem Mann nehmen dürfen. Aber dass sie jetzt auch noch seine Wassertabletten eingenommen haben… was haben sie sich denn dabei gedacht?“

Frau E. wird feuerrot und guckt furchtbar ertappt nach oben. Und während sie eine hanebüchene Erklärung nach der anderen aus dem Hut zaubert, erwidert Sternenmond konsterniert den triumphierenden Blick von Wieland, bevor sie nach der eifrigen Versicherung von Frau E., so was nie wieder zu tun, wieder aus dem Zimmer marschieren.

Ich hätte es nicht gedacht – aber manchmal bin ich wohl doch noch zu naiv für diese Welt 🙂 .

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