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Dienst in der Inneren.

Ein gefäßchirurgische Oberarzt fährt Notarzt in der Nacht, aber die Internistin und ich haben selbstverständlich keinerlei Vorurteile (natürlich nicht!). Wir hören aus dem vierten Stock schon die Sirene und tatsächlich – kaum 2 Minuten später klingelt das Diensthandy und wir machen uns auf den Weg.

Unten sitzt ein junges Mädel auf der Liege und schaut ein bißchen abwesend in der Gegend herum. Irgendetwas ist komisch an ihr, aber uns fällt das nicht sofort auf. Stattdessen widmen wir uns dem Oberarzt, der lächelnd und nichtstuend am Medikamentenschrank lehnt, während sein Sani mit der Mutter telefoniert.

„16 jährige Patientin, war bei einer Freundin und hat da gekrampft. Erstereignis.“

leiert er sichtlich gelangweilt herunter.

„Die Mutter sagt gerade, sie hat eine bekannte Epilepsie und hat 2 Jahre Medikamente genommen. Aber jetzt nicht mehr.“

unterbricht der Sani am Telefon und der Oberarzt wirft ihm einen herablassenden Blick zu.

„Haben sie denn mal den Zucker gemessen?“

fragt in der Zwischenzeit die Internistin.

„Nee.“ mischt sich die Schwester aus der Ambulanz ein, die im Hintergrund die Daten der Patientin in den Computer eingegeben hat. „Sie hat ja noch nicht mal ne Nadel gekriegt.“

Unsere Blicke zucken halb fassungslos zu der Patientin herüber und dann wieder ungläubig zurück zum Oberarzt, der sich gerade lässig vom Schrank abstößt und zur Tür schlendert, um im Aufenthaltsraum Kaffee trinken zu gehen. Er hebt die Schultern.

„Warum? War doch schon alles vorbei.“

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