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Ein Donnerstag im Februar, oberärztliche Visite auf der viszeral- sprich organchirurgischen – Station. Oberarzt ist unleidlich, weil er zum äußersten schreiten und mit den Patienten sprechen muss. Also versucht er, die Zeit des persönlichen Kontakts möglichst auf ein Minimum zu beschränken.

Klingt logisch, nicht?

Die ungefähr 40 jährige, geistig durchaus differenzierte Patientin auf Zimmer 3 hat er gestern operiert und mit einer Kamera in ihren Bauch geguckt, um herauszufinden, warum sie immer wieder von heftige Bauchschmerzen geplagt wird. Tatsächlich hat er was gefunden und steht nun vor der lästigen Pflicht die Patientin darüber aufzuklären.

Oberarzt rauscht auf seinen holzbesohlten Clogs mit großer Geräuschkulisse ins Zimmer, im Schlepptau versuchen sowohl der Stationsarzt, die PJlerin und die Schwester mit den Kurven sich nicht abhängen zu lassen. Drei Patienten starren mehr oder weniger erschrocken zur Tür hinüber. Oberarzt postiert sich mit verschränkten Armen vor dem Bett und sieht von oben auf Frau XY herunter.

„So, Frau XY, kommen wa gleich zur Sache. Wir haben ne Endometriose in ihrem Bauch gefunden.“

Frau XY kriegt ganz große Augen und jeder noch so unempathische Depp sieht die Angst in ihre Augen schleichen. „Ja, was bedeutet das denn, Herr Doktor?“ Das Ist es Krebs? sagt sie zwar nicht, aber muss sie auch nicht, weil man es quasi hören kann.

Oberarzt guckt genauso entsetzt wie die Patienten und man sieht ihm ebenfalls ganz gut an, dass er darauf jetzt mal so gar keinen Bock hat. Das könnte ja länger dauern! Und außerdem wartet im OP schon die nächste Galle. Also kurz fassen.

„Das können sie auch bei google nachschlagen.“

Der Patienten fällt die Kinnlade runter (und dem Rest der Anwesenden auch), während Oberarzt mit zufriedenem Gesichtsausdruck cloggend aus dem Zimmer flaniert.

Auch das ist Chirurgie :roll:

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