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Nachmittags, halb drei in Deutschland. In einem staubigen, mit Teppich ausgelegtem Raum, ausgestattet mit der neuesten High-Tech-Raffinesse (sprich Beamer) sitzen ungefähr fünfzehn mehr oder weniger schläfrige PJler und harren der Dinge, die da kommen mögen. Zum Vortrag verdonnert ist ein netter, unfallchirurgischer Assistenzarzt, dem Chef gestern mangels eigener Motivation die undankbare Aufgabe auferlegte uns mit seinem Wissen zu unterhalten.

Nach kurzer Diskussion einigten wir uns auf eine Dreiviertelstunde Seminar anstatt anderthalb Stunden, denn wir sind ja faul und müde(„Um halb 4 muss ich eh Schluss machen, ich hab Dienst.“) und die Besprechung von hüftgelenksnahen Frakturen (sprich: Oberschenkelbrüche ganz oben). Nachdem der Computer allerdings mangels des benötigten Passwortes seinen Dienst am USB-Stick verweigerte, fiel die Bilddemonstration von Röntgenaufnahmen zerborstener Schenkelhälse leider zugunsten von hübschen Kreidebildchen an der Tafel aus (soviel zu High-Tech-Raffinesse).

Die Stunde neigt sich irgendwann dem Ende zu, die PJler sind nett und bereit, den netten und engagierten Assistenzarzt nicht auflaufen zu lassen und besprechen mit ihm die drei Grundsäulen der Frakturversorgung.

Reponierung, Stabilisation, Mobilisation (Mediziner brauchen ja für alles schlau klingende Worte).

Im Endeffekt heißt es allerdings bloß: Alles wieder gerade machen, so dass es dem Ursprungszustand wieder möglichst ähnlich ist, irgendwie dafür sorgen, dass es auch so bleibt und dann, wenn es wieder heile ist, dafür sorgen, dass der Patient auch möglichst alles wieder so bewegen kann wie vorher. Und weil es so nett ist, besprachen wir alles an einem Fallbeispiel, um uns die Komplexität der Unfallchirurgie auch so richtig bewusst machen zu können.

Asisstenzarzt: „Also, denkt euch mal ihr habt folgenden Patienten. 50 Jahre, sportlich, kommt mit Schenkelhalsfraktur rechts.“
Ahnungsloser PJler meldet sich.
PJler: „Wie reponier und stabilisier ich das denn? Mit ner Vakuumschiene? Oder mit so nem Kendrick-Extrication-Device?“
Assistenzarzt guckt irritiert, weil er das letzte Wort nicht kennt (ich übrigens auch nicht).

„Wir legen´s einfach gerade hin.“

So einfach kann Chirurgie sein…

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