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Fertig!

Ich hätte gedacht, der Stein wäre größer, aber ich glaube, so ganz ist es in meinem Gehirn noch nicht angekommen. Oder vielmehr ließe sich vielleicht sagen, in meinem Verstand, aber nicht in meinem Gefühl. Es dauert wohl noch ein paar Tage, bis ich wirklich realisiert habe, dass ich nicht beim nach Hause kommen alles in die Ecke werfen und mich vor die Bücher setzen muss.

Die Prüfung selbst ist gut gelaufen, auch wenn sie mich einige Liter Schweiß (das vielleicht besser nicht vorstellen^^), viel Auswurfleistung meines Nebennierenmarks in Form von Adrenalin und einige Stunden Schlaf gekostet hat. Zu meinem anfänglichen Entsetzen hatte der Chef der Chirurgie offenbar keine gesteigerte Lust auf die Prüfung, so dass er kurzerhand Oberarzt schickte.

Meine Freude war natürlich grenzenlos.

Mit Vorurteilen allerdings ist das so eine seltsame Sache. Immer, wenn man sich ermahnt, sie außen vor zu lassen treffen sie mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Schwarze. Und wenn man sie ohne zu hinterfragen zulässt, dann schleichen sie sich still und heimlich davon.

Fakt ist, Oberarzt hat hervorragend geprüft. Alle Angst, er könnte die Situation nutzen, um zu zeigen, wie toll er und wie dumm man selber ist – unbegründet. Er hat absolut fair gefragt, absolut nett geholfen, wenn man gehangen hat… so wie man sich das von einem Prüfer wünscht. Vielleicht ein Anlass mehr Menschen nicht immer vorzuverurteilen.

Auch über die restlichen drei Prüfer konnte man sich in keinster Weise beklagen und so endete das Staatsexamen dann auch mit einer guten Nachricht: Wir haben alle eine 1 bekommen. Vielleicht ist das Angeberei, das hier so offen zu präsentieren, aber andererseits habe ich dafür 4 Monate lang wirklich hart gearbeitet und ich finde ein bißchen, dass ich es mir verdient habe.

Jetzt geht´s erstmal in den wohlverdienten Kurzurlaub, ehe ich dann 6 Wochen Zeit habe  all die Dinge zu tun, die ich schon lange vernachlässigen musste.

Ich freu mich!

Ein kurzer Zwischenstand.

Heute gab´s den Prüfungspatienten zum Befragen und zum Untersuchen. Mein eigentlicher Patient hatte über Nacht Zahnschmerzen und eine dicke Wange bekommen, also war er nicht da – sondern beim Zahnarzt.

Nachdem der Oberarzt und ich uns auf eine halbe Wartestunde geeinigt hatten, war der Patient am Ende dann natürlich immer noch nicht da… und ich noch nervöser als vorher.

Der Ersatzpatient hatte es dann in sich – dilatative Kardiomyopathie, Vorhofflimmern, eine frustrane CRT-Anlage – und eine Anamnese, die im Nachkriegsdeutschland beginnt. Meine Anamnese fand ich selber absolut mies – aber was soll man von einem Patienten verlangen? Ich wüsste auch nicht mehr, was ich vor 35 Jahren gemacht hätte, ob ich da noch zwei oder doch drei Stockwerke hochgekommen bin und ob meine Luftnot nun inspiratorisch oder doch exspiratorisch war.

Leider ist unser Chef ein absoluter Anamnesenpedant und ich werde das dumme, dumme Gefühl nicht los, dass ihm „Luftnot zunächst nur unter Belastung, dann auch in Ruhe“ nicht ausreicht. Also werde ich morgen früh nochmal versuchen ein paar weitere Infos aus meinem  Patienten herauszuholen – ich wette nur, er hat sich dann immer schön geschont oder war aus anderen körperlichen Gründen nicht zu Anstrengungen in der Lage, so dass sich an seiner Luftnot über 30 Jahre hin scheinbar nichts geändert hat *seufz*.

Ich glaube, morgen wird´s richtig scheiße. Und jetzt geh ich mir nochmal was über CRT und Schrittmacher angucken.

Eigentlich hab ich nichts gegen mündliche Prüfungen.

Ich bin eine Frau, ich bin mit einem sehr sprachfreudigen Mundwerk gesegnet (oder verflucht, es kommt da wohl ganz auf die Sichtweise an) und habe keinerlei Probleme vor anderen Menschen zu reden. Bislang habe ich die schriftlichen Prüfungen immer als schlimmer empfunden – immerhin kann man da nicht einfach loslabern und mit jedem Wissensbröckchen, das man irgendwo im eigenen Hirn findet, noch Punkte machen.

Heute haben die ersten in meinem PJ-Haus ihre Prüfungen gemacht (und bestanden) und ganz plötzlich bin ich furchtbar nervös, obwohl ich ja eigentlich noch 5 Tage Zeit habe. Ich habe das doofe Gefühl mit einem Mal überhaupt nichts mehr zu können. Oben tut man das Wissen in den Kopf und unten purzelt es schneller wieder heraus, als man wieder nachfüllen kann.

Dazu kommen noch die fruchtbaren Prüfungsvorgespräche im dritten und vierten Fach. Der gynäkologische Oberarzt war unglaublich nett, völlig verständnisvoll („Es ist ja nur euer viertes Fach…!“) und erwähnte dann im nächsten Nebensatz die ungeheuere Wichtigkeit der Harninkontinenz und des Descensus uteri für die gynäkologische Praxis (und Prüfung) im unwichtigen vierten Fach. Dazu kommen dann eine Vielzahl von gynäkologischen Tumoren, deren Wichtigkeit ich zweifelsfrei anerkenne – aber warum in Gottes Namen brauchen die Gynäkologen neben der gängigen TMN-Klassifikation noch eine eigene, nämlich die FIGO? Und warum muss die pro Karzinom mindestens 10 verschiedene Stadien haben? In meinem Kopf gehen die alle durcheinander, war FIGO IIA2 jetzt Cervix oder Endometrium und macht man da nochmal eine Radiochemo oder doch die OP? Oder beides? Hat jemand noch einen schnellen Tipp, wie man übersichtlich die verschiedenen Therapieoptionen des Mamma-Carcinoms in seinen Kopf bekommt (Hilfe Josephine!)?

Und dann noch das Prüfungsgespräch beim Pädiater. Das fand gar nicht statt („Ich habe keinerlei gesteigertes Interesse einen von ihnen vor der Prüfung noch einmal zu sehen. Warum auch?“). Nun ist die Pädiatrie ein unglaublich riesiges Fachgebiet und selbst wenn ich alles versucht hätte, ich hätte nie alles lernen können. Nur… was lernt man dann? Neonatologie? Ja klar. Prävention und Vorsorge? Ja klar. Gastroenterologie. Vielleicht. Neuropädiatrie? Ja vielleicht… aber habe ich im PJ nie etwas von gesehen.

Ob ich gefrustet bin? Ja, ein bißchen schon.

Tag 3.

Ich hab´s geschafft!

Mit nochmaligen 76,6% laut Medilearn bin ich sicher durch das Schriftliche gekommen :) . Dass mir vermutlich 5-8 Punkte für eine 2 fehlen ist ein kleiner Wermutstropfen, aber auf der anderen Seite wird die Note wohl ohnehin niemanden interessieren.

Denn damit kommen wir zu der zweiten guten Nachricht: Ich hab eine Stelle!

Mein alter Chef aus meinem alten PJ-Haus hat mir eine angeboten und so fange ich nun aller Voraussicht nach am 1.1.2010 in einer mittelgroßen, westdeutschen Klinik in der Kinderheilkunde an :) . Selbstverständlich fehlt bis dahin noch eine bestandene mündliche Prüfung, aber da mag ich erstens jetzt nicht dran denken und zweitens gehe ich eigentlich davon aus, dass ich sie bestehen kann (wie ist dann wieder eine andere Frage ;) ).

Für alle, die es interessiert, gab es heute wieder ein paar spannende Fälle des IMPP, unter anderem eine Patienten mit Magersucht (guter Fall, gute Fragen), einen Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Myokardinfarkt (guter Fall  – beschissene Fragen, weil im Prinzip sämtliche Nebenwirkungen der Herzinsuffizienztherapie abgefragt worden sind und sonst gar nix), dann eine Patientin mit cholangiozellulärem Karzinom (kann man machen – muss man aber nicht) und dann der Knüller, ein Säugling mit Hüftgelenksdysplasie. Nicht nur, dass wir in den vergangenen Tagen schon mit je einem Fall Pädiatrie und einem Fall Orthopädie zu kämpfen hatten, nein, jetzt packen sie einfach beides zusammen in einen und die dazugehörigen Fragen hatten nun wirklich langsam Facharztniveau.

Aber was soll´s – jetzt ist es vorbei und freue mich schon seit Wochen darauf, am morgigen Tag nichts zu machen, ehe es Samstag langsam aber sicher wieder los geht.

Einen ganz großen Dank an alle, die für mich die Daumen gedrückt und mit mir mitgefiebert haben :) . Ihr seid die Besten!

Tag 2.

Die Fälle lasen sich eigentlich ganz gut. Wilms-Tumor beim Kind, M. Basedow, Knie-TEP mit Infektion, Subarachnoidalblutung. Da hat man gedacht, man würde dieses Mal auch mit Wissen die Fragen beantworten können, anstatt mit einer mehr oder minder gekonnten Mischung aus Raten und Intuition.

War aber nicht so.

Zudem kamen mal wieder Schädel-CTs noch und nöcher, als würde man uns zu Neuroradiologen ausbilden wollen, eine interessante Frage über künstliche Befruchtung (auf welche Weise führt man sie durch, wenn der Mann keine Spermien im Ejakulat besitzt, weil die Samengänge verschlossen sind?) und Mutmaßungen darüber, wie man einen Ermüdungsbruch im Fuß am besten diagnostiziert.

An sich war´s aber dennoch besser als gestern (fand ich zumindest) und ich durfte mich vorhin über ein unglaubliches Ergebnis von 82% freuen :) . Ein wenig ist das also schon Jammern auf hohem Niveau, aber dennoch würde ich es begrüßen meine Quote nicht durch viel Raten und die statistische Chance auf 20% Richtige auf dieses Level zu heben.

Wie auch immer, jetzt kann ich immerhin halbwegs beruhigt in den letzten Tag starten, wenn auch leider sämtliche unangenehmen Fächer wie Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Epidemiologie und Humangenetik noch nicht abgefragt wurden und wohl einen Großteil des morgigen Tages ausmachen werden. Da ich sämtliche Fächer mit dem Mut zur Lücke bedacht habe, könnte das auch daneben gehen, aber hauptsache ist einfach nur noch zu bestehen.

Bis morgen :)

Tag 1.

Es lebe das IMPP und seine Vorliebe für die seltenen Erkrankungen. Sollte man nicht annehmen, dass man in einem Staatsexamen die wirklich wichtigen Dinge abfragt, die Dinge, die man als frischgebackener Arzt irgendwann im Laufe seines Studiums mal verinnerlicht haben sollte, damit man sie nicht übersieht und deren Erkennen relevant für den Patienten ist?

Sollte man meinen. Das IMPP sieht das regelmäßig anders.

Es quält uns mit Fällen, die je 15 Fragen beinhalten. Die Themen an Tag 1: Glioblastom!, Dermatomyositis! und Influenza!. Das einzig wirklich vernünftige Thema ist der Ileus.

Versteht mich nicht falsch, sicherlich sind Hirntumoren und die Grippe wichtig (die Dermatomyositis… naja. Reden wir nicht drüber). Aber muss man denn wissen, ob man das Cytostatikum Temozolomid nun intravenös, oral oder intrathekal verabreicht (ganz davon abgesehen, dass ich und so gut wie alle Komilitonen davon noch nie gehört haben)? Oder muss man 3 biochemische Fragen zur Influenza beantworten können, wo es darum geht, wo genau ein Neuraminidasehemmer hemmt und wofür das Hämagglutinin H da ist? Muss ich wissen, dass der spezifischste Marker für die Dermatomyositis die Mi-2-AK sind?

Ich find nicht, aber danach fragt ja niemand.

Laut Medilearn (das ist ein Verein, der die Fragen am Examenstag von irgendwelchen Experten lösen lässt und die bis auf 2 oder 3 Fragen eigentlich auch immer mit dem IMPP übereinstimmen – wobei fraglich ist, bei wem bei den anderen Fragen der Fehler liegt^^) habe ich mit viel Raten und euren gedrückten Daumen dennoch 76% von den 60% gebrauchten. Das lässt hoffen für morgen.

Weiter geht´s.

So, ab morgen gilt´s!

Wer von euch morgens mal einen Moment Zeit hat, möge bitte die Daumen für mich drücken :) . Bitte, bitte, bitte!

Ich kann jeden noch so kleinen gebrauchen :) .

So kurz vorher hat der Prüfungswahnsinn endgültig Einzug in mein Gehirn gehalten. Beim Kreuzen wird ich aus Flüchtigkeit immer schlechter und es ist soweit, dass die zwei Appendektomien (=Entfernung des Blinddarms oder besser des Wurmfortsatzes) mit Oberarzt im letzten Dienst als pure Entspannung betrachten konnte.

Und weil ich ja verzweifelt irgendwelche Ablenkungen suche, hier mein persönliches, beim Kreuzen liebevoll für euch zusammen gesammeltes Syndrom-ABC. Ja klar kann man das alles bei google zusammen suchen, aber nach diesen Sachen wird gefragt.

Ganz ehrlich! Irgendwomit muss man unser Hirn ja fordern.

A drenogenitales Syndrom

B land-White-Garland-Syndrom

C harcot-Marie-Tooth-Hoffmann-Syndrom

D ebré-Toni-Fanconi-Syndrom

E mbryofetales Alkoholsyndrom

F ragile-X-Syndrom

G uillain-Barré-Syndrom

H ELLP-Syndrom

I mpigment-Syndrom

J ervell und Lange-Nielsen-Syndrom

K asabach-Merritt-Syndrom

L ambert-Eaton-Syndrom

M ayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom

N iemann-Pick-Syndrom

O psoklonus-Myoklonus-Syndrom

P rader-Willi-Syndrom

Q T-Syndrom

R estless-Legs-Syndrom

S teele-Richardson-Olszewski-Syndrom

T olosa-Hunt-Syndrom

U llrich-Turner-Syndrom

V erner-Morrison-Syndrom

W aterhouse-Friedrichsen-Syndrom

X YY-Syndrom

Y Y-Syndrom

Z ollinger-Ellison-Syndrom

Falls sich jetzt jemand denkt, wie sinnfrei das doch ist… ist es wahrscheinlich auch :D

Ich entschuldige mich für meine momentane Blog-Abstinenz und auch im Voraus für die weitere, die sicher noch kommen wird.

Die Lernerei schlaucht mich. So langsam kommt man in die Phase, in der man einfach keine Lust mehr hat, aber genauso auch ein schlechtes Gewissen, wenn man nichts tut. Ich hasse das.

Wo die großen Fächer noch halbwegs Spaß machen, habe ich klaffende Lücken in Neuro (*graus* ich hab das Fach schon immer unglaublich langweilig gefunden) und in Derma (*graus* da sind Bilder bei, da müsste man eine FSK18-Warnung voraus schicken) entdeckt. Dummerweise sind beide Fächer nicht gerade mit wenig Fragen vertreten, also heißt es durchbeißen.

Noch schlimmer sind allerdings diese Winzfächer wie Arbeitsmedizin, klinische Umweltmedizin (Fünf Chemikalien in den Antwortmöglichkeiten und ich kenne keine von denen) und Sozialmedizin. So ein unglaublicher Mist, den man dafür lernen muss müsste, nur sind es so wenige Fragen, dass es heißt: Mut zur Lücke. Wie dumm nur, dass die Lücken sich addieren.

Und es gibt noch soviele schöne Dinge… meine Lieblingskrankheit, die Sarkoidose. Macht alles, kann alles und ist so nebulös, dass ich Schwierigkeiten habe eine genaue Definition zu finden. Unzählige Syndrome mit Eigennamen in der Pädiatrie (mein Lieblingssyndrom ist das Mayer-v.Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom – beschreibt den eigentlich recht simplen Sachverhalt einer nicht vorhandenen weiblichen Vagina).

Ich kreuz mal weiter, nachdem Heroes zuende ist… euch noch einen schönen Abend.

Kreuzen nervt. Aber nicht so viel wie diese stupide Lernerei.

Dazu kommen meine Probleme mit den Augen… bedingt durch einen kombinierten Sehfehler kann ich auch mit Lesebrille nur maximal 15 Minuten am Stück lesen. Hat man sich dann einmal aufgerafft was zu tun ist nach einer Viertelstunde schon wieder Schluss. Mein Augenarzt zuckt dann immer mit den Schultern, wenn ich ihm mein Leid klage. Vielleicht sollte ich mal eine Zweitmeinung einholen, denn momentan bin ich schlechter dran als eine 70-jährige – die kann ihren Grauen Star wenigstens erfolgreich operieren lassen. Aber ich habe die unangenehme Vorstellung, dass mir da auch niemand weiterhelfen kann.

Also Augen zu und durch.

Immerhin scheine ich innerhalb des PJs doch etwas gelernt zu haben und die ganze Angelegenheit nicht hoffnungslos. Nervig ist es trotzdem.

Seit neuestem fragt das IMPP (die Leute, die sich die tollen Prüfungsfragen für die angehenden Mediziner ausdenken) fallbasiert. Das heißt, es gibt einen klinischen Fall und dazu 10-15 Fragen. An sich halte ich das für gar nicht ganz schlecht – schlecht wird es nur, wenn man das entsprechende Krankheitsbild nicht vernünftig beherrscht. Denn dann ist nicht nur eine Frage, sondern gleich 10 auf einmal verloren und damit auch die Punkte.

Was auch nervt… alle Tage werden gleich. Aufstehen, essen, lernen, fernsehen, lernen, schlafen. Manchmal Sport, manchmal eine Variation des ganzen. Mir fehlt dieses befriedigende Gefühl aus dem Krankenhaus zu kommen und für sich selbst zu denken, dass man heute was geschafft hat. Was geleistet. Und dann kann man auch guten Gewissens den restlichen Abend lang irgendeinen mistigen Kleinkram machen. Wie 3 Stunden fernsehen.

*JAMMER*

So und jetzt ist gut für heute mit der Heulerei :D