Dienst in der Inneren.
Ein gefäßchirurgische Oberarzt fährt Notarzt in der Nacht, aber die Internistin und ich haben selbstverständlich keinerlei Vorurteile (natürlich nicht!). Wir hören aus dem vierten Stock schon die Sirene und tatsächlich – kaum 2 Minuten später klingelt das Diensthandy und wir machen uns auf den Weg.
Unten sitzt ein junges Mädel auf der Liege und schaut ein bißchen abwesend in der Gegend herum. Irgendetwas ist komisch an ihr, aber uns fällt das nicht sofort auf. Stattdessen widmen wir uns dem Oberarzt, der lächelnd und nichtstuend am Medikamentenschrank lehnt, während sein Sani mit der Mutter telefoniert.
„16 jährige Patientin, war bei einer Freundin und hat da gekrampft. Erstereignis.“
leiert er sichtlich gelangweilt herunter.
„Die Mutter sagt gerade, sie hat eine bekannte Epilepsie und hat 2 Jahre Medikamente genommen. Aber jetzt nicht mehr.“
unterbricht der Sani am Telefon und der Oberarzt wirft ihm einen herablassenden Blick zu.
„Haben sie denn mal den Zucker gemessen?“
fragt in der Zwischenzeit die Internistin.
„Nee.“ mischt sich die Schwester aus der Ambulanz ein, die im Hintergrund die Daten der Patientin in den Computer eingegeben hat. „Sie hat ja noch nicht mal ne Nadel gekriegt.“
Unsere Blicke zucken halb fassungslos zu der Patientin herüber und dann wieder ungläubig zurück zum Oberarzt, der sich gerade lässig vom Schrank abstößt und zur Tür schlendert, um im Aufenthaltsraum Kaffee trinken zu gehen. Er hebt die Schultern.
„Warum? War doch schon alles vorbei.“

5 comments
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26. Juni 2009 um 14:17
schwestertrauma
A****loch! Kann man da nur sagen. Manche Ärzte denken offensichtlich mit dem Erlangen der OA-Position können sie sich alles erlauben… Habe so eine ähnliche Situation leider auch schon erlebt.
26. Juni 2009 um 17:12
NK
Na klar… alles schon vorbei..
deswegen fährt man auch mit Blaulicht ins Krankenhaus.
27. Juni 2009 um 03:53
gr3if
Bitter. dass die Sanitäter oder um mal fachlich korrekt zu bleiben: Rettungsassistenten keinen Zucker gemacht haben…. Der gehört zu jedem Krampfanfall und zu jedem bewusstlosen Patienten….. Sogar bei meiner letzten Rea hat der Na einen Zucker nehmen lassen…..
Omg!
27. Juni 2009 um 11:15
sternenmond
Ohje… ich kann mir den Unterschied zwischen Sanitäter und Assistenten einfach nicht merken *seufz*. Schon irgendwie peinlich… aber ich gelobe Besserung
.
Ansonsten muss man zu seiner Ehrenrettung sagen, ich glaube, er hätte vielleicht sogar einen gemacht, aber der NA hatte halt einfach keinen Bock. Oder den Sinn des ganzen nicht verinnerlicht.
13. Juli 2009 um 15:56
Sven
Schade, dass so etwas übergangen wird. Gerade das scheinbare „Erstereignis“ sollte doch den NA dazu „aufmuntern“, sich etwas ausführlicher um so eine Patientin zu kümmern. Wo doch die BZ-Messung nicht grad das aller-aufwendigste ist. Aber um eine vernünftige Anamnese hat er sich ja offenbar auch nicht bemüht…